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Eisen

Eisenformen: Bisglycinat, Fumarat oder Sulfat?

Futures Nutrition Redaktion · 12. August 2026

Eisenformen: Bisglycinat, Fumarat oder Sulfat?

Eisenformen: Bisglycinat, Fumarat oder Sulfat?

Auf der Vorderseite steht die Verbindung, auf der Rückseite die Zahl, auf die es ankommt. Zwischen den zugelassenen Eisenverbindungen liegt beim Eisenanteil fast der Faktor vier: In 100 mg Eisengluconat stecken rund 12 mg Eisen, in 100 mg Eisencarbonat rund 48 mg. Vergleichbar sind zwei Präparate deshalb nur über die Angabe mg Eisen je Tagesdosis — niemals über den Namen der Verbindung und auch nicht über die Milligrammzahl der Verbindung selbst.

Der zweite Punkt betrifft die Rangfolge, die Produkttexte gern nahelegen. Sie existiert amtlich nicht. Die EFSA hält in ihrer Bewertung von 2024 fest, dass es „nicht möglich ist, die verschiedenen Eisenformen hinsichtlich ihrer Bioverfügbarkeit genau und einheitlich in eine Rangfolge zu bringen" — und dass Eisen aus Eisensulfat generell besser aufgenommen wird als aus den anderen zugelassenen Formen (EFSA Journal 2024;22(6):8819). Was sich zwischen den Formen unterscheidet, ist eher die Verträglichkeit als die Ausbeute.

Wie viel Eisen in der Verbindung steckt

Eine Eisenverbindung besteht zum größeren Teil aus allem außer Eisen: aus Sulfat, Fumarat, Gluconat, Glycin oder Kristallwasser. Wie groß der Eisenanteil ist, folgt aus der Molmasse und lässt sich ausrechnen. Die dritte Spalte zeigt, wie viel Verbindung nötig wäre, um 30 mg Eisen zu liefern:

VerbindungEisenanteil (rechnerisch)für 30 mg Eisen
Eisencarbonat48 %62 mg
Eisensulfat, wasserfrei37 %82 mg
Eisenfumarat33 %91 mg
Eisendiphosphat (Pyrophosphat)30 %100 mg
Eisenbisglycinat27 %110 mg
Eisenlactat24 %126 mg
Eisen(III)-citrat23 %132 mg
Eisensulfat, Heptahydrat20 %149 mg
Eisen(III)-Natrium-EDTA15 %197 mg
Eisengluconat12,5 %240 mg

Diese Werte gelten für die reine Verbindung. Handelsware ist häufig hydratisiert oder mit Trägerstoffen gemischt — bei Bisglycinat-Rohstoffen wird der Eisengehalt deshalb oft niedriger ausgewiesen als die 27 Prozent der reinen Substanz. Genau darum ist die Nährwerttabelle auf der Rückseite maßgeblich und nicht die Rechnung, die man selbst aufstellt. Wer zwei Packungen nebeneinander hält, vergleicht aus demselben Grund nicht die Milligramm der Verbindung, sondern was ein Tag Einnahme kostet — die Rechnung dazu steht in Eisenpräparat kaufen: Preis je Tag statt je mg. Dieselbe Verwechslung von Verbindung und Element gibt es bei jedem Mineralstoff; für Zink steht sie in Zinkformen im Vergleich.

Welche Formen in der EU überhaupt erlaubt sind

Nicht jede Verbindung, die es weltweit gibt, darf hier verwendet werden. Anhang II der Richtlinie 2002/46/EG führt abschließend auf, welche Eisenquellen für Nahrungsergänzungsmittel zulässig sind — in der konsolidierten Fassung vom 17. Juli 2024 sind es neunzehn:

Eisencarbonat · Eisencitrat · Eisenammoniumcitrat · Eisengluconat · Eisenfumarat · Eisennatriumdiphosphat · Eisenlactat · Eisensulfat · Eisendiphosphat (Eisenpyrophosphat) · Eisensaccharat · Elementares Eisen (Carbonyl + elektrolytisch + wasserstoffreduziert) · Eisenbisglycinat · Eisen-L-pidolat · Eisenphosphat · Eisen(II)-Ammoniumphosphat · Eisen(III)-Natrium-EDTA · Eisenhydroxid-Adipat-Tartrat (Nano) · Eisen-Milchkaseinat · Eisen(II)-taurat

Zwei Namen sind erst 2024 dazugekommen — Eisenhydroxid-Adipat-Tartrat und Eisen-Milchkaseinat —, beide über die Unionsliste der neuartigen Lebensmittel. Und ein Name fehlt, den man erwarten könnte: Eisenpicolinat steht nicht auf der Liste, obwohl Zinkpicolinat und Chrompicolinat darin geführt werden. Die Zulassung hängt an der einzelnen Verbindung, nicht am Mineralstoff und nicht am Säurerest. Wer ein Präparat aus einem Nicht-EU-Shop vor sich hat, findet die Antwort auf die Frage „darf das hier verkauft werden" in dieser Liste, nicht in der Milligrammzahl.

Zwei- oder dreiwertig: was der Darm daraus macht

Vorratsgläser mit roten Bohnen, Linsen und Reis auf einer Küchenarbeitsplatte

Aufgenommen wird Eisen im Dünndarm überwiegend als zweiwertiges Eisen (Fe²⁺) über den divalenten Metalltransporter DMT1. Dreiwertiges Eisen (Fe³⁺) — etwa aus Eisencitrat oder Eisenphosphat — muss davor reduziert werden, enzymatisch durch DcytB oder durch Reduktionsmittel wie Ascorbinsäure. Das ist der sachliche Kern hinter der Faustregel, zweiwertige Formen seien die verlässlicheren.

Wie viel tatsächlich ankommt, entscheidet aber weniger die Form als der eigene Eisenstatus. Die EFSA verweist auf eine Metaanalyse, in der die fraktionelle Eisenaufnahme mit steigendem Serumferritin von durchschnittlich 21,9 auf 5,8 Prozent fiel. Gesteuert wird das über das Hormon Hepcidin, das die Aufnahme im Darm drosselt, sobald die Speicher gefüllt sind. Ein leerer Speicher holt aus einer mittelmäßigen Verbindung mehr heraus als ein voller aus der besten.

Dazu kommt die Mahlzeit. Als Hemmstoffe nennt die EFSA Phytate, Polyphenole aus Tee, Kaffee, Kakao, Rotwein und Gemüse sowie Calcium und Zink; als Förderer Ascorbinsäure und tierisches Muskelprotein. Ein Calciumpräparat wie Calcium + Vitamin D3 gehört deshalb nicht in dieselbe Portion wie die Eisentablette, sondern in eine andere Tageshälfte. Welche Menge überhaupt gebraucht wird und warum die Empfehlung ein Vielfaches des täglichen Verlusts beträgt, steht in Eisen Tagesbedarf.

Verträglichkeit: was gemessen ist und was nicht

Person liegt zusammengerollt mit Bauchschmerzen auf einer Couch

Der häufigste Grund, ein Eisenpräparat wieder abzusetzen, ist der Magen-Darm- Trakt. Dass das kein Einbildungsproblem ist, zeigt eine Metaanalyse von 43 randomisierten Studien mit 6 831 Erwachsenen: Unter Eisensulfat traten Magen-Darm-Beschwerden deutlich häufiger auf als unter Placebo — Odds Ratio 2,32 (95-%-Konfidenzintervall 1,74–3,08), gegenüber intravenösem Eisen 3,05 (Tolkien et al., PLoS ONE 2015;10(2):e0117383).

Für Eisenbisglycinat, das genau mit diesem Argument beworben wird, gibt es eine systematische Übersichtsarbeit über 17 Studien mit 2 191 Teilnehmenden (Fischer et al., Nutrition Reviews 2023;81(8):904–920). Ihr Ergebnis, sortiert nach dem, was es hergibt:

GruppeErgebnis
Schwangere, Hämoglobinhöher als unter den Vergleichspräparaten (SMD 0,54 g/dl; 95-%-KI 0,15–0,94)
Schwangere, Magen-Darm-Beschwerdenseltener (IRR 0,36; 95-%-KI 0,17–0,76)
Schwangere, Ferritinkein statistisch gesicherter Unterschied
Kinder, Hämoglobin und Ferritinkein statistisch gesicherter Unterschied

Die Autorinnen und Autoren stufen die Gesamtsicherheit dieser Evidenz ausdrücklich als sehr niedrig ein: hohes Verzerrungsrisiko, Hinweise auf Publikationsbias, starke Heterogenität zwischen den Studien. Belastbar ist der Vorteil damit für Schwangere, und auch dort nur mit Vorbehalt; für alle anderen Gruppen ist er nicht gezeigt. „Besser verträglich" ist also keine Eigenschaft der Form an sich, sondern ein Befund aus einer bestimmten Studienlage.

Eine Beobachtung, die regelmäßig für Beunruhigung sorgt, gehört an dieser Stelle eingeordnet: Schwarzer Stuhl ist nicht aufgenommenes Eisen im Darm. Die EFSA hat genau diesen Endpunkt ihrer Ableitung zugrunde gelegt und stuft ihn als solchen nicht als Schädigung ein; er markiert die Menge, ab der Eisen den Darm ungenutzt passiert. Der daraus abgeleitete sichere Aufnahmewert liegt bei 40 mg pro Tag für Erwachsene einschließlich Schwangerer und Stillender.

Was in unserem Präparat steckt

Eisen 30 mg + Inulin – 180 Tabletten

Unser Eisen 30 mg + Inulin verwendet Eisenfumarat, eine zweiwertige Form mit rund 33 Prozent Eisenanteil. Rechnerisch entsprechen die deklarierten 30 mg Eisen also etwa 91 mg Eisenfumarat je Tablette; auf dem Etikett steht die Eisenmenge, im Zutatenverzeichnis die Verbindung. 30 mg sind 214 % des Nährstoffbezugswerts von 14 mg (Verordnung (EU) Nr. 1169/2011, Anhang XIII). Die Verzehrempfehlung lautet eine Tablette täglich mit einem Glas Wasser 15 bis 30 Minuten vor einer Mahlzeit — also außerhalb der Hemmstoffe aus der Mahlzeit. Weitere Stärken und Kombinationen stehen nebeneinander in der Kategorie Eisen.

Zur Einordnung der Menge: Das Bundesinstitut für Risikobewertung schlägt für Nahrungsergänzungsmittel 6 mg je Tagesverzehrempfehlung vor, die EFSA nennt 40 mg pro Tag als sicheren Aufnahmewert aus allen Quellen zusammen. Eine EU-weite Höchstmenge für Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln existiert bis heute nicht; zwischen diesen beiden Zahlen bewegt sich der ganze Markt. Ob ergänzt werden sollte, ist deshalb keine Frage der Form, sondern des festgestellten Status — die DGE rät zu einer Supplementation nur nach festgestellter Unterversorgung und unter ärztlicher Begleitung.

Zugelassen sind für Eisen unter anderem diese Aussagen (Verordnung (EU) Nr. 432/2012): Eisen trägt zu einer normalen Bildung roter Blutkörperchen und von Hämoglobin bei, Eisen trägt zu einem normalen Sauerstofftransport im Körper bei, Eisen trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei und Eisen trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei. Sie gelten für den Nährstoff Eisen, unabhängig davon, aus welcher zugelassenen Verbindung er stammt. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise.

Häufige Fragen

Woran erkenne ich, welche Verbindung drin ist? Nicht an der Nährwerttabelle — dort steht nur „Eisen" mit der Milligrammzahl. Die Verbindung steht im Zutatenverzeichnis, meist in der Form „Eisenfumarat (Eisen)". Fehlt dort eine der neunzehn zugelassenen Bezeichnungen, lohnt ein zweiter Blick auf die Herkunft des Produkts.

Ist Bisglycinat besser verträglich als Sulfat? In der Schwangerschaft ist ein Vorteil dokumentiert, allerdings bei sehr niedriger Sicherheit der Evidenz; bei Kindern zeigte sich in derselben Übersichtsarbeit kein Unterschied bei Hämoglobin und Ferritin. Gleichzeitig gilt Eisensulfat der EFSA als die generell am besten aufgenommene Form. Wer Beschwerden hat, ändert mit dem Wechsel der Form also möglicherweise etwas — sicher ändert er die Milligrammzahl, wenn er zusätzlich auf die Eisenmenge schaut.

„Chelat", „Bisglycinat", „Aminosäurechelat" — dasselbe? Bisglycinat ist ein Chelat aus einem Eisenion und zwei Glycinmolekülen, und Glycin ist eine Aminosäure. Die drei Begriffe beschreiben also dasselbe Bauprinzip. Zulassungsfähig ist in der EU aber nur die konkrete Bezeichnung Eisenbisglycinat; „Aminosäurechelat" allein ist eine Werbebezeichnung ohne festgelegten Inhalt.

Warum wird schwarzer Stuhl nicht als Nebenwirkung gezählt? Weil er kein Schaden ist, sondern eine Anzeige: Er zeigt Eisen an, das den Darm ungenutzt passiert hat. Die EFSA hat ihn gerade deshalb als messbaren Endpunkt für ihren sicheren Aufnahmewert von 40 mg pro Tag herangezogen. Anders liegt es bei Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall — das sind die Beschwerden, die in den Studien gezählt werden.

Quellen: Richtlinie 2002/46/EG, Anhang II (konsolidierte Fassung vom 17.07.2024) · EFSA, Scientific opinion on the tolerable upper intake level for iron, EFSA Journal 2024;22(6):8819 · Tolkien Z, Stecher L, Mander AP, Pereira DIA, Powell JJ, Ferrous sulfate supplementation causes significant gastrointestinal side-effects in adults, PLoS ONE 2015;10(2):e0117383 (PubMed 25700159) · Fischer JAJ, Cherian AM, Bone JN, Karakochuk CD, The effects of oral ferrous bisglycinate supplementation on hemoglobin and ferritin concentrations in adults and children, Nutrition Reviews 2023;81(8):904–920 · BfR, Höchstmengenvorschläge für Eisen in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln · DGE, Ausgewählte Fragen und Antworten zu Eisen · Verordnung (EU) Nr. 1169/2011, Anhang XIII · Verordnung (EU) Nr. 432/2012.