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Vitamin D3

Vitamin-D-Formen: D2 oder D3, Lanolin oder Flechte

Futures Nutrition Redaktion · 11. August 2026

Vitamin-D-Formen: D2 oder D3, Lanolin oder Flechte

Vitamin-D-Formen: D2 oder D3, Lanolin oder Flechte

  1. August 2026

Die kurze Antwort: Es sind zwei Fragen, nicht eine. Die erste ist die nach der Form — D2 (Ergocalciferol) oder D3 (Cholecalciferol). Das sind zwei verschiedene Moleküle, und nach der Datenlage hebt D3 den Blutspiegel zuverlässiger an. Die zweite ist die nach der Herkunft — Lanolin aus Schafwolle oder Flechte. Da geht es nicht um Chemie: das Molekül ist in beiden Fällen dasselbe Cholecalciferol. Es geht darum, ob im Präparat etwas Tierisches steckt.

Verwirrend ist das vor allem deshalb, weil beides auf der Verpackung meist nicht steht. Vorgeschrieben ist die Angabe „Vitamin D" in Mikrogramm — nicht, welche Form und schon gar nicht, aus welchem Rohstoff sie gewonnen wurde. Dieser Artikel zeigt, wo die Information trotzdem zu finden ist und was aus dem Unterschied praktisch folgt.

Zwei Moleküle, ein Etikettenname

Beide Formen entstehen auf demselben Weg: Ein Vorläufermolekül wird mit UV-B-Strahlung beschienen und lagert sich dabei um. Nur der Vorläufer ist verschieden. Bei D2 ist es Ergosterol aus Pilzen und Hefen, bei D3 7-Dehydrocholesterol — dieselbe Substanz, aus der auch die menschliche Haut in der Sonne Vitamin D bildet.

Der chemische Unterschied steckt in der Seitenkette: D2 trägt dort eine zusätzliche Doppelbindung und eine Methylgruppe, die D3 fehlen. Das klingt nach einer Kleinigkeit, entscheidet aber darüber, wie gut der Körper mit dem Molekül umgeht.

Vitamin D2Vitamin D3
Chemischer NameErgocalciferolCholecalciferol
VorläuferErgosterol7-Dehydrocholesterol
Typische RohstoffeHefe, PilzeLanolin (Schafwolle), Flechte, Fischleberöl
Vom Menschen selbst gebildetneinja, in der Haut
Vegan möglichjanur aus Flechte
In der EU als Quelle zugelassenjaja

Zugelassen sind beide: Anhang II der Richtlinie 2002/46/EG listet für Nahrungsergänzungsmittel Cholecalciferol und Ergocalciferol als Vitamin-D-Quellen. Seit der Verordnung (EU) 2025/352 kommt Calcidiol-Monohydrat als dritte Quelle hinzu — eine bereits im Körper weiterverarbeitete Stufe, die bislang selten im Regal steht. Auf dem Etikett taucht die Form nicht in der Nährwerttabelle auf, sondern in der Zutatenliste: dort steht „Cholecalciferol" oder „Ergocalciferol". Wer wissen will, was er kauft, liest also nicht die große Zahl, sondern die kleine Zeile darunter.

Warum D3 den Blutspiegel zuverlässiger anhebt

Beide Formen werden in der Leber zu 25-OH-D umgebaut — jenem Wert, den ein Labor misst. Gleich gut gelingt das nicht. Die EFSA hat die Vergleichsstudien in ihrer Ableitung der Referenzwerte für Vitamin D (2016) zusammengefasst und beschreibt zwei Beobachtungen: Wer D2 zuführt, bei dem sinkt der absolute 25-OH-D3-Anteil im Serum; und D3 scheint für die Hydroxylierung in der Leber das bevorzugte Ausgangsmaterial zu sein, während D2 schneller wieder abgebaut wird.

Praktisch heißt das: 20 µg als D2 und 20 µg als D3 stehen zwar gleichwertig auf dem Etikett, führen aber nicht zum selben Messwert. Der Abstand fällt umso deutlicher aus, je größer die Einzelportion und je länger der Abstand zwischen zwei Einnahmen ist — bei einer täglichen kleinen Menge ist er am geringsten.

Dazu kommt eine Stolperfalle im Labor: Nicht jede Messmethode erfasst beide Formen. Wer D2 einnimmt und einen Test bekommt, der nur 25-OH-D3 bestimmt, sieht einen niedrigen Wert, obwohl zugeführt wurde. Wie ein solcher Befund zu lesen ist, steht in Vitamin-D-Blutwert: 25-OH-D richtig lesen — wichtig ist hier nur, dass die Form dabei mitgeteilt gehört.

Herkunft: Lanolin oder Flechte

Eine Herde weißer Schafe mit dichtem Vlies, zwei Tiere blicken direkt in die Kamera.

Der klassische Rohstoff für D3 ist Lanolin, das Wollfett der Schafe. Es fällt beim Waschen geschorener Wolle an, daraus wird 7-Dehydrocholesterol isoliert und mit UV-Licht zu Cholecalciferol umgewandelt. Die Tiere werden dafür nicht getötet — für viele Vegetarier ist das Präparat deshalb in Ordnung. Tierischen Ursprungs bleibt der Rohstoff trotzdem, und damit ist ein Lanolin-D3 nicht vegan.

Die Alternative ist die Flechte, meist die Rentierflechte Cladonia rangiferina — jenes graugrüne Polster, das auf dem Boden nordischer Kiefernwälder wächst. Flechten sind keine Pflanzen, sondern eine Lebensgemeinschaft aus Pilz und Alge, und sie enthalten neben Ergosterol auch 7-Dehydrocholesterol. Damit sind sie die einzige nicht-tierische Quelle, aus der sich Cholecalciferol in nennenswertem Umfang gewinnen lässt.

Wichtig für die Einordnung: Das fertige Molekül ist identisch. Cholecalciferol aus Flechte und Cholecalciferol aus Lanolin unterscheiden sich weder in der Struktur noch darin, was der Körper damit macht. Der Unterschied liegt vor der Herstellung, nicht danach. Wer aus ethischen Gründen auf die Herkunft achtet, hat einen guten Grund für die Flechten-Variante; wer sich einen anderen Effekt davon verspricht, wird enttäuscht.

Woran man „vegan" wirklich erkennt

Hier liegt der Punkt, an dem im Regal am häufigsten danebengegriffen wird: „Cholecalciferol" in der Zutatenliste sagt nichts über die Herkunft. Eine Pflicht, den Rohstoff zu deklarieren, gibt es nicht. Steht auf der Packung kein Hinweis, ist Lanolin die übliche Annahme — nicht weil es schlechter wäre, sondern weil es der Standardrohstoff ist und ein Hersteller die teurere Flechten-Variante praktisch immer bewirbt.

Dazu kommt: Das Vitamin ist nur ein Bestandteil. Ein Präparat kann Flechten-D3 enthalten und trotzdem nicht vegan sein, wenn die Kapselhülle aus Gelatine besteht oder ein Trägeröl tierischen Ursprungs verwendet wird. Bei Tabletten entfällt die Kapselfrage, dafür lohnt der Blick auf Trenn- und Überzugsmittel. Verlässlich sind am Ende nur zwei Dinge: eine ausdrückliche Angabe „aus Flechten" und eine Vegan-Auslobung, die sich auf das gesamte Erzeugnis bezieht.

In unserem Sortiment ist die Herkunft bei den veganen Varianten ausgeschrieben. Der Vitamin D3 10.000 I.E. Jahresvorrat aus Flechten deckt mit 360 Tabletten bei einer Einnahme alle zehn Tage einen sehr langen Zeitraum ab.

Vitamin D3 10.000 I.E. vegan, 360 Tabletten

Wer den Abstand noch weiter strecken möchte, findet dieselbe Herkunft in der Depot-Stärke: Vitamin D3 20.000 I.E. vegan. Alle Stärken nebeneinander stehen in der Kategorie Vitamin D3.

Vitamin D3 20.000 I.E. vegan, 360 Tabletten

Wo D2 im Alltag vorkommt

Verschiedene frische und getrocknete Speisepilze auf dunklem Untergrund.

D2 begegnet einem seltener als Präparat und häufiger auf dem Teller. Pilze enthalten Ergosterol und bilden daraus unter UV-Licht Vitamin D2 — Wildpilze, die in der Sonne gewachsen sind, deutlich mehr als Zuchtchampignons aus der dunklen Halle. Nach den Nährwertdaten von Souci/Fachmann/Kraut liegen Champignons bei rund 1,9 µg je 100 g; gegen die 20 µg, die die Deutsche Gesellschaft für Ernährung als Schätzwert für den Fall ohne körpereigene Bildung angibt, ist das wenig.

Gezielt mit UV-Licht bestrahlte Champignons und bestrahlte Backhefe sind in der EU als neuartige Lebensmittel zugelassen und liefern deutlich mehr — im deutschen Handel sind sie allerdings selten. Wo Pilze im Vergleich zu Fisch, Ei und angereicherten Produkten stehen, zeigt die Tabelle in Vitamin D in Lebensmitteln. Als Präparat spielt D2 vor allem dort eine Rolle, wo eine vegane Formulierung ohne Flechtenrohstoff gebraucht wird.

Was aus der Form für die Menge folgt

Für die Mengenangaben auf dem Etikett macht die Form keinen Unterschied — beide zählen als „Vitamin D":

WertMenge pro TagHerkunft
Nährstoffbezugswert (NRV)5 µg (200 I.E.)Verordnung (EU) Nr. 1169/2011, Anhang XIII
Schätzwert ohne körpereigene Bildung20 µg (800 I.E.)Deutsche Gesellschaft für Ernährung
Höchstmengenvorschlag je Tagesportion20 µg (800 I.E.)Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)
Tolerable Upper Intake Level (UL)100 µg (4.000 I.E.)EFSA, Erwachsene und Jugendliche ab 11 Jahren

Die EFSA-Obergrenze gilt für die Summe aus allen Quellen und aus beiden Formen. Wie sich die Stärken im Regal auf eine tägliche Menge umrechnen lassen, steht in Vitamin D3 Dosierung: 1000 IE bis 10000 IE; welcher Rechenfehler die Obergrenze real reißt, in Kann man zu viel Vitamin D nehmen?. Warum die Frage überhaupt vor allem im Winterhalbjahr aufkommt, erklärt Vitamin D3 im Winter.

Zugelassen sind für Vitamin D unter anderem die Aussagen, dass es zu einer normalen Funktion des Immunsystems beiträgt und zur Erhaltung normaler Knochen beiträgt (Verordnung (EU) Nr. 432/2012). Sie gelten für die Form D2 wie für D3. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise.

Häufige Fragen

Ist Flechten-D3 schwächer als Lanolin-D3? Nein. Es ist dasselbe Molekül, Cholecalciferol, und der Körper kann es nicht unterscheiden. Was zählt, ist die deklarierte Menge je Tablette oder Tropfen — nicht der Rohstoff, aus dem sie stammt.

Ist Lanolin-D3 für Vegetarier geeignet? In der Regel ja: Lanolin fällt beim Waschen geschorener Wolle an, kein Tier wird dafür getötet. Vegan ist es dennoch nicht, weil der Rohstoff tierischen Ursprungs ist. Wer streng vegan lebt, braucht die Flechten-Variante oder D2.

Warum ist auf meiner Dose gar keine Form angegeben? Weil die Nährwertkennzeichnung nur „Vitamin D" in Mikrogramm und den Prozentsatz des Nährstoffbezugswerts verlangt. Die Form steht in der Zutatenliste. Fehlt sie auch dort, hilft nur die Herstellerangabe — und wenn die Herkunft nirgends steht, wird sie in aller Regel nicht die teurere sein.

Sind Tropfen anders zu bewerten als Tabletten? Für die Frage nach D2 oder D3 nicht. Bei der Herkunft schon: Tropfen brauchen ein Trägeröl, Kapseln eine Hülle — beides kann tierischen Ursprungs sein, während eine Tablette diese beiden Fragen gar nicht erst aufwirft.

Zählt Vitamin D aus angereicherten Lebensmitteln mit? Ja. Margarine, manche Pflanzendrinks und Frühstückscerealien sind mit Vitamin D angereichert, meist als D3, teils als D2. Für die Obergrenze der EFSA zählt die Summe, unabhängig davon, aus welcher Quelle und in welcher Form sie kommt.