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Vitamin K2

Vitamin K2 Tagesbedarf: welche Zahl wirklich gilt

Futures Nutrition Redaktion · 11. August 2026

Vitamin K2 Tagesbedarf: welche Zahl wirklich gilt

Vitamin K2 Tagesbedarf: welche Zahl wirklich gilt

Kurz gesagt: Einen eigenen Tagesbedarf für Vitamin K2 gibt es nicht. Alle Referenzwerte, die in Deutschland und der EU gelten, beziehen sich auf Vitamin K als Ganzes — und abgeleitet wurden sie im Wesentlichen aus Daten zu Vitamin K1. Für Erwachsene sind das drei Zahlen, die dicht beieinander liegen und trotzdem verschiedene Dinge bedeuten: 75 µg als Nährstoffbezugswert für die Prozentangabe auf dem Etikett, 60 bis 80 µg als Schätzwert der DGE je nach Alter und Geschlecht, 70 µg als adäquate Zufuhr nach EFSA.

Das erklärt auch die Zahl, über die Käufer am häufigsten stolpern: Wenn auf einer Dose „200 µg Vitamin K2 (267 % NRV)" steht, dann sind diese 267 % kein Vielfaches eines K2-Bedarfs. Sie sind der Prozentsatz von 75 µg — dem Bezugswert für Vitamin K insgesamt. Dieser Artikel sortiert die Werte auseinander, zeigt den Bedarf nach Altersgruppen und rechnet nach, wie viel Vitamin K die Ernährung in Deutschland tatsächlich liefert.

Drei Werte, die ständig verwechselt werden

WertVitamin K, ErwachseneWas er bedeutetQuelle
Nährstoffbezugswert (NRV)75 µg/TagBezugsgröße für die %-Angabe auf dem EtikettVerordnung (EU) Nr. 1169/2011, Anhang XIII
Schätzwert für eine angemessene Zufuhr60–80 µg/Tagwas zugeführt werden sollteD-A-CH bzw. DGE
Adequate Intake (AI)70 µg/Tageuropäischer Referenzwert, 1 µg je kg KörpergewichtEFSA Journal 2017;15(5):4780
Tolerierbare Höchstmenge (UL)nicht abgeleitetmangels Daten keine Obergrenze festgelegtEFSA 2017; zuvor SCF 2003
Vorschlag für Nahrungsergänzungsmittel80 µg K1 · 25 µg K2 je TagesportionEmpfehlung des BfR, kein geltendes RechtBfR, Höchstmengenvorschläge Vitamin K

Der NRV ist der einzige dieser Werte, der rechtlich verbindlich ist — aber nicht als Bedarf, sondern als Rechenregel für das Etikett. Der DGE-Schätzwert und der EFSA-Wert beschreiben die Zufuhr, die als angemessen gilt. Und die letzte Zeile ist etwas ganz anderes: ein Vorschlag für die Produktgestaltung, der nicht aus einer Bedarfsrechnung stammt.

Der Bedarf nach Alter und Geschlecht

Die DGE nennt für Vitamin K keine Empfehlung, sondern einen Schätzwert für eine angemessene Zufuhr — der Unterschied ist gewollt: Für eine Empfehlung reicht die Datenlage nicht. Die Werte gelten für Vitamin K insgesamt, nicht für K1 oder K2 getrennt.

Altermännlichweiblich
0 bis unter 4 Monate4 µg4 µg
4 bis unter 12 Monate10 µg10 µg
1 bis unter 4 Jahre15 µg15 µg
4 bis unter 7 Jahre20 µg20 µg
7 bis unter 10 Jahre30 µg30 µg
10 bis unter 13 Jahre40 µg40 µg
13 bis unter 15 Jahre50 µg50 µg
15 bis unter 51 Jahre70 µg60 µg
51 Jahre und älter80 µg65 µg
Schwangere und Stillende60 µg

Die EFSA geht einen anderen Weg und leitet die adäquate Zufuhr über das Körpergewicht ab: 1 µg je Kilogramm und Tag, in allen Alters- und Geschlechtsgruppen. Mit den zugrunde gelegten Referenzgewichten ergeben sich daraus für Erwachsene die genannten 70 µg — und für Kinder Werte, die den D-A-CH-Zahlen sehr nahe kommen. Zwei Gremien, zwei Verfahren, praktisch dasselbe Ergebnis: Das spricht dafür, dass die Größenordnung stimmt, auch wenn die Datenlage dünn ist.

Warum es für K2 keinen eigenen Wert gibt

Die EFSA hat ihre adäquate Zufuhr ausdrücklich für Phyllochinon, also Vitamin K1, abgeleitet. Zu Aufnahme, Verteilung und Verbleib der Menachinone (K2) reichten die Daten nicht aus, um einen eigenen Referenzwert zu begründen. Deshalb gibt es keinen „Tagesbedarf für MK-7" — es gibt einen Wert für Vitamin K, und MK-7 zählt darauf ein.

Auch die zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben sind so formuliert: Sie gelten für den Nährstoff Vitamin K, nicht für eine bestimmte Form. Welche Formen es gibt und warum in Präparaten fast immer MK-7 steckt, steht in Vitamin K2 MK-7 all-trans.

Was die Ernährung beisteuert

Bevor man über eine Ergänzung nachdenkt, lohnt der Blick auf das, was ohnehin täglich auf den Teller kommt. Die Datenlage in Deutschland ist lückenhaft, aber sie ist eindeutiger, als viele erwarten. In der Nationalen Verzehrsstudie II wurde Vitamin K gar nicht erfasst; herangezogen werden deshalb ältere und regionale Erhebungen, die das BfR in seiner Bewertung zusammenstellt:

ErhebungGruppeVitamin-K-Zufuhr
Bundesgesundheitssurvey 1998, ErnährungsmodulErwachsene404 µg/Tag (Ost), 431 µg/Tag (West), Mittelwert
EsKiMo (KiGGS-Modul)Kinder 6–11 Jahre162,4–190,9 µg/Tag im Median
2. Bayerische Verzehrsstudie, 1.050 Personen13–80 Jahre112,3 µg/Tag (Frauen), 128,4 µg/Tag (Männer), Median
EPIC-Heidelberg, 25.540 Personen40–65 Jahre93,6 µg/Tag Vitamin K1 · 34,7 µg/Tag Vitamin K2, Median
EU-weite AuswertungErwachsene70–250 µg/Tag, Mittelwerte

Die vorletzte Zeile ist die interessanteste, weil sie als einzige nach Formen trennt: Rund 35 µg des täglichen Vitamin K stammen demnach aus Menachinonen, der Rest aus K1. Und die erste Zeile zeigt, warum man diese Zahlen nicht auf das Mikrogramm nehmen sollte — 404 µg liegen weit über allem, was die anderen Erhebungen finden. Das BfR nennt den Grund selbst: Die Vitamin-K-Angaben im Bundeslebensmittelschlüssel sind von geringer Qualität, alle Schätzungen sind entsprechend unsicher.

Über alle Erhebungen hinweg bleibt der Befund aber stabil, und das BfR fasst ihn so zusammen: Aus den Verzehrdaten in Deutschland ergibt sich kein Hinweis auf eine unzureichende Versorgung mit Vitamin K — weder in der Allgemeinbevölkerung noch in einzelnen Altersgruppen. Wer Vitamin K2 ergänzt, tut das also nicht, um eine gemessene Lücke zu schließen, sondern in aller Regel als Begleiter zu Vitamin D. Warum die beiden zusammen angeboten werden, steht in Vitamin K2 und Calcium; das Sortiment dazu liegt in der Kategorie Vitamin D3 + K2.

Woher das K2 im Essen kommt

Angeschnittener Hartkäse auf einem Holzbrett

K1 und K2 kommen aus verschiedenen Ecken des Speiseplans. Vitamin K1 steckt vor allem in grünem Gemüse und in Pflanzenölen — Grünkohl, Spinat, Mangold, Brokkoli, Raps- und Sojaöl. Vitamin K2 dagegen entsteht durch Bakterien und findet sich in fermentierten und tierischen Lebensmitteln: Käse und Quark, Fleisch, Leber, Eigelb, Butter und, mit weitem Abstand an der Spitze, das japanische Natto aus fermentierten Sojabohnen (Schurgers und Vermeer, Haemostasis 2000;30:298–307).

Für Mitteleuropa heißt das praktisch: Der K2-Anteil der Zufuhr kommt aus dem Käse. Wer wenig Milchprodukte isst und kein Natto kennt, liegt beim K2 tendenziell niedriger — beim Vitamin K insgesamt aber nicht, solange grünes Gemüse auf dem Teller landet.

Was „267 % NRV" auf der Dose bedeutet

Kunde liest die Angaben auf einer Packung im Laden

Die Prozentangabe auf der Packung ist eine simple Division: Menge geteilt durch NRV. Bei den handelsüblichen Stärken sieht das so aus:

Menge je TagesdosisAnteil am NRV (75 µg)
25 µg33 %
50 µg67 %
75 µg100 %
100 µg133 %
200 µg267 %

Der auffällige Abstand zwischen dem BfR-Vorschlag von 25 µg K2 und den 200 µg, die am Markt üblich sind, hat einen anderen Hintergrund als eine Toxizitätsgrenze — eine solche gibt es für Vitamin K nicht. Der Vorschlag stammt aus der Wechselwirkung mit Gerinnungshemmern vom Cumarin-Typ: In den herangezogenen Studien war ein statistisch messbarer INR-Abfall ab 150 µg/Tag Vitamin K1, aber schon ab 45 µg/Tag Vitamin K2 zu beobachten; K2 wirkte damit rund 3,5-mal stärker, und mit einem Unsicherheitsfaktor von etwa 2 landet man bei 25 µg. Was das für hoch dosierte Präparate bedeutet, ist in Vitamin K2 Überdosierung im Detail aufgeschlüsselt.

Im eigenen Sortiment liegt die K2-Menge bei den Kombipräparaten bei 100 oder 200 µg MK-7 je Tablette beziehungsweise Kapsel, etwa beim Vitamin D3 4.000 I.E. + K2 200 µg MK-7. Reine K2-Präparate und weitere Kombinationen stehen in der Kategorie Vitamin K2.

Vitamin D3 4.000 I.E. + K2 200 µg MK-7 – Jahresvorrat, 365 Tabletten

Der Rhythmus verschiebt die Zahl

Die Prozentangabe bezieht sich nach § 4 Absatz 3 der Nahrungsergänzungsmittelverordnung auf die auf dem Etikett angegebene tägliche Verzehrsmenge — also auf die Portion, die der Hersteller vorsieht. Bei Depot-Präparaten ist diese Portion aber nicht täglich: Eine Tablette alle zehn oder alle zwanzig Tage steht auf derselben Packung wie die Prozentzahl. Wer wissen will, wie viel Vitamin K bei ihm pro Tag ankommt, muss deshalb noch einmal durch den Abstand teilen.

PräparatK2 je StückRhythmus laut EtikettK2 pro Tag im SchnittAnteil am NRV
D3 4.000 I.E. + K2 200 µg200 µgtäglich200 µg267 %
D3 4.000 I.E. + K2 200 µg200 µgjeden 2. Tag100 µg133 %
Liposomales D3 5.000 I.E. + K2 100 µg100 µgalle 5 Tage20 µg27 %
D3 10.000 I.E. + K2 200 µg200 µgalle 10 Tage20 µg27 %
D3 20.000 I.E. + K2 200 µg200 µgalle 20 Tage10 µg13 %

Zwischen der ersten und der letzten Zeile liegt der Faktor zwanzig, obwohl in vier von fünf Fällen dieselben 200 µg auf dem Etikett stehen. Bemerkenswert ist vor allem die untere Hälfte der Tabelle: Die Depot-Präparate liegen im Tagesmittel bei 10 bis 20 µg K2 und damit unter dem BfR-Vorschlag von 25 µg je Tagesportion — dieselbe Zahl, an der ein täglich genommenes 200-µg-Präparat weit vorbeischießt. Die große Zahl auf der Vorderseite sagt darüber nichts. Wie sich die K2-Menge zur Vitamin-D-Stärke verhält und warum die verbreitete Regel „100 µg K2 je 1.000 I.E." keine Grundlage hat, rechnet Vitamin D3 K2 Verhältnis durch.

Wer auf die Menge achten sollte

Für die allgemeine Bevölkerung ist die Zufuhr aus Lebensmitteln unauffällig, und eine Obergrenze existiert nicht. Zwei Gruppen betrifft die Menge dennoch unmittelbar.

Personen unter gerinnungshemmenden Medikamenten vom Cumarin-Typ. Vitamin K ist der Gegenspieler dieser Wirkstoffe. Das BfR empfiehlt für Vitamin-K-haltige Nahrungsergänzungsmittel ausdrücklich den Hinweis, dass diese Personen vor dem Verzehr ärztlichen Rat einholen sollten. Entscheidend ist dabei weniger die Höhe als die Konstanz: Eine gleichmäßige Vitamin-K-Zufuhr erleichtert die Einstellung der Dosis, ein plötzlicher Wechsel stört sie.

Wer mehrere Präparate kombiniert. Vitamin K steckt in Multivitaminen, in D3-K2-Kombinationen und in Knochenpräparaten mit Calcium. Die Mengen addieren sich, die Prozentangaben auf den einzelnen Dosen tun das nicht.

Was über Vitamin K gesagt werden darf

Zugelassen sind in der EU zwei Angaben (Verordnung (EU) Nr. 432/2012), und sie gelten für Vitamin K als Nährstoff:

  • Vitamin K trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei.
  • Vitamin K trägt zu einer normalen Blutgerinnung bei.

Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise.

Häufige Fragen

Wie viel Vitamin K2 brauche ich am Tag? Es gibt keinen Wert, der das beantwortet — die Referenzwerte gelten für Vitamin K insgesamt, und für Erwachsene liegen sie zwischen 60 und 80 µg pro Tag. Rechnet man den K2-Anteil der üblichen Ernährung dagegen, kommt man auf gemessene rund 35 µg täglich. Eine Zielmarke speziell für K2 lässt sich daraus nicht ableiten, weil niemand sie festgelegt hat.

Decken 200 µg MK-7 den Tagesbedarf mehrfach? Rechnerisch ja, gemessen am NRV von 75 µg. Eine Obergrenze wird damit nicht überschritten, weil für Vitamin K mangels Daten keine abgeleitet wurde. Der BfR-Vorschlag von 25 µg für K2 in Nahrungsergänzungsmitteln ist eine Empfehlung zur Produktgestaltung und kommt aus der Arzneimittel-Wechselwirkung, nicht aus einer Vergiftungsschwelle.

Ist der Bedarf im Alter höher? Die D-A-CH-Schätzwerte steigen ab 51 Jahren leicht an, auf 80 µg für Männer und 65 µg für Frauen. Das ist eine Anpassung an das Körpergewicht und die Datenlage, kein Hinweis auf einen besonderen Mehrbedarf.

Gelten die Werte auch für Säuglinge? In der Tabelle stehen 4 µg für die ersten vier Monate — das ist der Schätzwert für die Zufuhr über die Nahrung. Davon getrennt zu sehen ist die Vitamin-K-Gabe, die Neugeborene in Deutschland im Rahmen der Früherkennungsuntersuchungen U1, U2 und U3 erhalten; sie ist ärztlich geregelt und hat mit Nahrungsergänzungsmitteln nichts zu tun.