Vitamin K2 MK-7 all-trans: was das Etikett sagt
Futures Nutrition Redaktion · 11. August 2026

Vitamin K2 MK-7 all-trans: was das Etikett sagt
Kurz gesagt: „MK-7" beschreibt, wie lang die Seitenkette des Moleküls ist. „All-trans" beschreibt, wie sie geformt ist — und nur diese Form ist biologisch aktiv. Dasselbe Molekül kann an mehreren Stellen seiner Seitenkette anders herum abgeknickt sein; solche cis-Isomere haben dieselbe Summenformel, dasselbe Molekulargewicht und erscheinen in einer groben Analyse als „Vitamin K2", ohne im Körper dieselbe Rolle zu spielen. Genau deshalb steht „all-trans" überhaupt auf Etiketten: Es ist die Angabe, die aus „200 µg MK-7" die Aussage „200 µg verwertbares MK-7" macht.
Für den Käufer heißt das: Die Zahl auf der Dose ist erst dann vollständig, wenn dabeisteht, welcher Anteil davon all-trans ist. Dieser Artikel erklärt, was die beiden Angaben chemisch bedeuten, woher cis-Anteile stammen, was Messungen an Handelspräparaten gefunden haben und was auf einem gut deklarierten Etikett stehen sollte.
Was „MK-7" bedeutet — und was es offenlässt
Vitamin K2 ist keine einzelne Substanz, sondern eine Familie: Menachinone. Alle haben denselben Kopf — einen Naphthochinon-Ring — und unterscheiden sich in der Seitenkette, die aus einer bestimmten Zahl von Isopren-Einheiten besteht. Die Zahl hinter „MK" ist genau diese Anzahl. MK-4 hat vier Einheiten, MK-7 hat sieben. In der EU-Rechtssprache ist MK-7 über die Summenformel C46H64O2 beschrieben.
Die Kettenlänge entscheidet über das Verhalten im Körper: MK-7 hat eine deutlich längere Verweildauer im Blut als MK-4, weshalb es die übliche Form in Präparaten ist. Welche der beiden wofür verwendet wird, steht ausführlicher in MK-7 oder MK-4 — die Formen von Vitamin K2.
Was „MK-7" nicht sagt: wie die sieben Isopren-Einheiten räumlich angeordnet sind. In der Seitenkette sitzen Doppelbindungen, und an jeder davon können die beiden Kettenhälften auf derselben Seite stehen (cis) oder auf gegenüberliegenden (trans). Das natürlich vorkommende Molekül ist durchgehend trans konfiguriert — daher „all-trans". Nur die trans-Form gilt als biologisch aktiv; für cis-Formen ist keine oder nur eine sehr geringe Aktivität beschrieben.
Woher cis-Anteile kommen: Fermentation und Synthese

Es gibt zwei Wege zu MK-7, und sie unterscheiden sich genau an dieser Stelle.
Fermentation. Bakterien bauen das Molekül enzymatisch auf und liefern es von Haus aus in der all-trans-Konfiguration — Enzyme arbeiten stereospezifisch, sie „verwechseln" die Geometrie nicht. Der klassische Produzent ist Bacillus subtilis natto, das Bakterium hinter dem japanischen Natto. Die Kommissionsentscheidung 2009/345/EG hat Vitamin K2 (Menachinon) aus Bacillus subtilis natto in der EU als neuartige Lebensmittelzutat zugelassen; heute wird der Eintrag in der Unionsliste neuartiger Lebensmittel geführt (Durchführungsverordnung (EU) 2017/2470).
Chemische Synthese. Wird die Seitenkette im Reaktor aufgebaut, entsteht an den Doppelbindungen zunächst ein Gemisch aus cis- und trans-Formen. Der cis-Anteil muss abgetrennt werden, und das ist der eigentliche Aufwand des Verfahrens. Gelingt es, ist synthetisches MK-7 chemisch nicht von fermentiertem zu unterscheiden — auch synthetisches all-trans-MK-7 ist in der EU verkehrsfähig. Gelingt es nicht vollständig, bleibt ein Rest im Produkt.
Daraus folgt eine Unterscheidung, die oft falsch getroffen wird: Der entscheidende Punkt ist nicht „natürlich gegen synthetisch", sondern spezifiziert gegen unspezifiziert. Ein fermentiertes Produkt ohne Isomerangabe ist keine bessere Auskunft als ein synthetisches mit Angabe.
Was Messungen an Präparaten gefunden haben

Dass die Frage praktisch ist und nicht akademisch, zeigt eine Untersuchung von Szterk, Zmysłowski und Bus (Food Chemistry 2018;243:403–409). Die Autoren entwickelten ein Verfahren, um die Isomere von MK-7 in Nahrungsergänzungsmitteln getrennt zu bestimmen, und fanden:
| Befund | Ergebnis |
|---|---|
| Zahl unterscheidbarer cis/trans-Isomere von MK-7 | 5 |
| Gehalt an all-trans-MK-7 je Tablette | 5,5 bis 49 µg |
| Präparate mit weniger all-trans-MK-7 als deklariert | die Mehrzahl |
| Präparate ohne nachweisbares MK-7 trotz Auslobung | 1 |
| Höchster gefundener cis/trans-Überschuss gegenüber all-trans | 3,7-fach |
Die letzte Zeile ist die aussagekräftigste: In einzelnen Produkten steckte mehrfach so viel inaktives Isomer wie aktives. Eine Analyse, die nur „Vitamin K2 gesamt" misst, hätte solche Ware unauffällig gefunden. Genau deshalb ist die Trennung nach Isomeren der Prüfschritt, auf den es ankommt — und die Angabe „all-trans" auf dem Etikett der Hinweis darauf, dass er stattgefunden hat.
Was auf einem brauchbaren Etikett steht
| Angabe auf der Packung | Was sie aussagt |
|---|---|
| „Vitamin K2 200 µg" | nur die Menge, weder Form noch Geometrie |
| „Vitamin K2 als MK-7, 200 µg" | Kettenlänge geklärt, Geometrie offen |
| „MK-7 all-trans, 200 µg" | Menge und aktive Form benannt |
| „MK-7, ≥ 99 % all-trans" | zusätzlich der geprüfte Reinheitsgrad |
| „aus Natto-Fermentation" | Herstellweg, der all-trans liefert |
Im eigenen Sortiment tragen die Kombinationspräparate die Angabe im Namen — etwa Vitamin D3 20.000 I.E. + K2 MK-7 all-trans und Vitamin D3 10.000 I.E. + K2 200 µg all-trans Depot; in der Tagesdosierung entspricht dem Vitamin D3 4.000 I.E. + K2 200 µg MK-7.
Wie viel K2 die Bezugswerte vorsehen
Die Isomerfrage klärt, was in der Kapsel steckt — nicht, wie viel sinnvoll ist. Dazu die Zahlen, die es gibt:
| Bezugsgröße | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Nährstoffbezugswert (NRV) Vitamin K, für die Etikettenangabe in % | 75 µg/Tag | Anhang XIII, Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 |
| Adequate Intake für Erwachsene | 70 µg/Tag | EFSA Journal 2017;15(5):4780 |
| Tolerierbare Höchstmenge (UL) | nicht abgeleitet | EFSA 2017; zuvor SCF 2003 |
| Vorschlag des BfR für Nahrungsergänzungsmittel, Vitamin K1 | 80 µg je Tagesdosis | BfR, Höchstmengenvorschläge Vitamin K |
| Vorschlag des BfR für Nahrungsergänzungsmittel, Vitamin K2 | 25 µg je Tagesdosis | BfR, ebenda |
Zwei Punkte daran sind erklärungsbedürftig. Erstens hat die EFSA den Wert von 70 µg ausdrücklich nur für Phyllochinon (Vitamin K1) abgeleitet, weil die Datenlage zu Aufnahme und Verbleib der Menachinone dafür nicht ausreichte — der NRV auf dem Etikett gilt dagegen für „Vitamin K" als Ganzes, weshalb 200 µg MK-7 dort als rund 267 % erscheinen.
Zweitens liegt der BfR-Vorschlag von 25 µg deutlich unter dem, was am Markt üblich ist. Er ist eine Empfehlung, keine Rechtsvorschrift, und er stammt nicht aus einer Toxizitätsbetrachtung — eine Obergrenze für Vitamin K gibt es mangels Daten gar nicht. Er kommt aus der Wechselwirkung mit Cumarin-Antikoagulanzien: In den herangezogenen Studien war ein statistisch messbarer INR-Abfall ab 150 µg/Tag Vitamin K1, aber schon ab 45 µg/Tag Vitamin K2 zu sehen, K2 wirkte also etwa 3,5-mal stärker. Das BfR empfiehlt dazu ausdrücklich den Hinweis, dass Personen unter gerinnungshemmenden Medikamenten vor der Einnahme ärztlichen Rat einholen sollten. Wie viel bei den Mengen sonst zu erwarten ist, steht in Vitamin K2 Überdosierung; warum K2 meist zusammen mit Calcium und D3 genannt wird, in Vitamin K2 und Calcium.
Was über Vitamin K gesagt werden darf
Für Vitamin K sind in der EU zwei gesundheitsbezogene Angaben zugelassen (Verordnung (EU) Nr. 432/2012). Sie gelten für Vitamin K als Nährstoff, nicht für eine bestimmte Form oder ein bestimmtes Isomer:
- Vitamin K trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei.
- Vitamin K trägt zu einer normalen Blutgerinnung bei.
Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise.
Häufige Fragen
Steht „all-trans" nicht auf der Packung — ist das Produkt dann schlecht? Nicht zwangsläufig. Die Angabe ist freiwillig, und es gibt sauber hergestellte Ware ohne sie. Sie ist aber die einzige Information, an der sich die Frage vom Regal aus überhaupt beantworten lässt. Fehlt sie, weiß man es schlicht nicht.
Ist fermentiertes MK-7 dem synthetischen überlegen? Bei der Geometrie hat die Fermentation einen systematischen Vorteil, weil Enzyme nur trans aufbauen. Beim fertigen Produkt zählt jedoch die Spezifikation: Synthetisches MK-7, das als all-trans spezifiziert und geprüft ist, ist dasselbe Molekül. Der Herstellweg ersetzt die Angabe nicht, und die Angabe ersetzt den Herstellweg nicht.
Was ist mit MK-4 — hat das auch cis-Isomere? Grundsätzlich ja, die Seitenkette ist nur kürzer, also gibt es weniger Stellen, an denen es passieren kann. Praktisch spielt die Frage bei MK-4 eine geringere Rolle, weil MK-4 in Präparaten seltener und wegen der kurzen Verweildauer im Blut anders dosiert eingesetzt wird.
Verändert sich das Verhältnis über die Haltbarkeit? MK-7 ist lichtempfindlich, und Licht kann Doppelbindungen umklappen lassen. Deshalb sind Braunglas oder undurchsichtige Dosen und ein kühler, dunkler Aufbewahrungsort bei K2 kein Zierrat, sondern der Grund, warum die deklarierte Menge bis zum Mindesthaltbarkeitsdatum plausibel bleibt.


