Vitamin K2: MK-7 oder MK-4 — was der Unterschied ist
Futures Nutrition Redaktion · 11. August 2026

Vitamin K2: MK-7 oder MK-4 — was der Unterschied ist
Vitamin K2 ist keine einzelne Substanz, sondern eine Gruppe: die Menachinone, durchnummeriert nach der Länge ihrer Seitenkette. Praktisch relevant sind zwei davon, MK-4 und MK-7 — und sie verhalten sich im Körper so unterschiedlich, dass man sie nicht gegeneinander aufrechnen kann. MK-7 hat eine Halbwertszeit von etwa 68 Stunden, MK-4 verschwindet binnen Stunden aus dem Blut und ist in der Menge, die ein Nahrungsergänzungsmittel liefert, im Serum gar nicht nachweisbar. Für den Kauf in Deutschland ist die Frage ohnehin weitgehend entschieden: Als Vitamin-K-Quelle für Nahrungsergänzungsmittel ist in der EU „Menachinon" zugelassen, und dieser Begriff ist rechtlich als hauptsächlich MK-7 definiert.
Wer also überlegt, ob MK-4 „die bessere Form" wäre, vergleicht meist nicht zwei Optionen, sondern eine Option mit einem Importprodukt. Was auf dem Etikett tatsächlich etwas aussagt, sind zwei andere Angaben: die Mikrogramm-Menge und das Wort „all-trans".
Was die Zahl hinter dem MK bedeutet
Alle K-Vitamine teilen denselben chemischen Kern, einen 2-Methyl-1,4-Naphthochinon-Ring. Unterschiedlich ist nur die Seitenkette, die daran hängt:
- Vitamin K1 (Phyllochinon) trägt eine Phytyl-Seitenkette und kommt in grünen Pflanzen vor.
- Vitamin K2 (Menachinone) trägt eine Kette aus Isopren-Einheiten. Deren Anzahl steht in der Bezeichnung: MK-4 hat vier, MK-7 hat sieben.
Diese drei zusätzlichen Isopren-Einheiten sind der ganze Unterschied — und sie machen das Molekül deutlich fettlöslicher. Daran hängt alles Weitere: Schurgers und Vermeer gaben 2002 sechs Probanden je 2 µmol K1, MK-4 und MK-9 gleichzeitig und verfolgten die Vitamine in den Lipoprotein-Fraktionen des Blutes (Biochimica et Biophysica Acta 1570). K1 blieb weitgehend an die Fraktion gebunden, die die Leber abräumt; die Menachinone fanden sich auch in LDL, MK-4 sogar in HDL. Das lange MK-9 blieb überdies sehr viel länger im Kreislauf als K1 oder MK-4.
Halbwertszeit: der eigentliche Unterschied
Die Halbwertszeit ist bei Vitamin K keine Randnotiz, sondern das Merkmal, an dem sich die Formen scheiden. Für MK-7 wurde sie in einer Studie von Schurgers und Kollegen bestimmt (Blood 109, 2007): 15 gesunde Probanden erhielten K1 und MK-7 gemeinsam, beide erreichten den Höchstwert im Serum nach vier Stunden — aber MK-7 fiel danach nur langsam ab, mit einer Halbwertszeit von rund 68 Stunden. Bei fortgesetzter Einnahme stiegen die Serumwerte auf das Sieben- bis Achtfache.
| Vitamin K1 | MK-4 | MK-7 | |
|---|---|---|---|
| Seitenkette | Phytyl | 4 Isopren-Einheiten | 7 Isopren-Einheiten |
| Höchstwert im Serum | nach ca. 4 h | — | nach 4–6 h |
| Halbwertszeit im Serum | kurz (Stunden) | kurz (Stunden) | ca. 68 h |
| bei üblicher NEM-Menge im Serum messbar | ja | nein | ja, bis 48 h |
| in der EU als Quelle für Nahrungsergänzungsmittel zugelassen | ja (Phyllochinon) | nicht als solche gelistet | ja (als „Menachinon") |
Die Zeile, an der die meisten Vergleiche scheitern, ist die vierte. Sato, Schurgers und Uenishi gaben gesunden Frauen einmalig 420 µg MK-4 oder 420 µg MK-7 zum Frühstück (Nutrition Journal 11, 2012). MK-7 war gut aufgenommen, erreichte nach sechs Stunden das Maximum und war noch nach 48 Stunden nachweisbar. MK-4 war bei keiner Teilnehmerin zu irgendeinem Zeitpunkt im Serum nachweisbar. Auch sieben Tage mit 60 µg täglich änderten daran nichts, während MK-7 die Werte bei allen Teilnehmerinnen signifikant anhob. Die Autoren schließen daraus, dass MK-4 aus der Nahrung zum Vitamin-K-Status — gemessen am Vitamin-K-Spiegel im Serum — nicht beiträgt.
Was daraus nicht folgt
MK-4 ist damit nicht „wirkungslos", und der Körper braucht es: Alle K-Vitamine können im Gewebe zu MK-4 umgebaut werden, weshalb MK-4 eigene Aufgaben jenseits der Carboxylierung zugeschrieben werden. Nur führt der Weg dorthin offenbar nicht über die MK-4-Tablette — in einer Tierstudie derselben Arbeitsgruppe hob eine ernährungsnahe MK-4-Menge den MK-4-Gehalt außerhalb der Leber nicht an, eine MK-7-Gabe dagegen schon.
Messbare Effekte zeigt MK-4 erst in ganz anderen Mengen. In einer Dosisfindungsstudie von Takeuchi und Kollegen blieben 500 µg MK-4 pro Tag über zwei Monate ohne Effekt auf die Carboxylierung von Osteocalcin, einen Laborwert des Vitamin-K-Status; nötig waren 1.500 µg. Für MK-7 sind für denselben Messwert 45–90 µg pro Tag beschrieben. Und dort, wo MK-4 tatsächlich als Arzneimittel eingesetzt wird — in Japan seit 1995 unter dem Namen Glakay —, liegt die Tagesdosis bei 45 mg: dem 225-Fachen der 200 µg aus einem üblichen Kombipräparat, und verschreibungspflichtig.
Herkunft: Fermentation gegen tierisches Gewebe
Die beiden Formen kommen auch aus völlig verschiedenen Quellen.
MK-7 stammt aus bakterieller Fermentation. Langkettige Menachinone entstehen, wenn Bakterien Lebensmittel vergären — in Käse, Quark und Sauerkraut finden sich MK-7 bis MK-9, in außergewöhnlich hoher Konzentration im japanischen Natto, das mit Bacillus subtilis aus Sojabohnen fermentiert wird. Genau dieser Stamm steht auch in der EU-Zulassung: Die Kommission hat mit der Entscheidung 2009/345/EG „Vitamin K2 (2-Methyl-3-all-trans-polyprenyl-1,4-naphthochinon)" aus Bacillus subtilis natto als neuartige Lebensmittelzutat genehmigt — eine Ölsuspension, die überwiegend MK-7 und in kleinerer Menge MK-6 enthält. Heute wird MK-7 auch synthetisch hergestellt, in derselben all-trans-Konfiguration.

MK-4 dagegen kommt aus tierischen Lebensmitteln — Butter, Eigelb, Leber, Geflügel — und entsteht dort und im menschlichen Gewebe durch Umbau anderer K-Formen. Als Zutat wird es chemisch synthetisiert.

Für vegan lebende Käufer ist das ein handfester Punkt: Fermentativ gewonnenes MK-7 ist pflanzlichen Ursprungs, MK-4 aus Lebensmitteln nicht. In Kombipräparaten kommt das Vitamin D3 dazu, das aus Lanolin oder aus Flechten stammt — durchgängig vegan ist etwa das Vitamin D3 20.000 I.E. + K2 (MK-7) vegan.
Was in der EU überhaupt in ein Präparat darf
Welche Vitaminverbindungen für Nahrungsergänzungsmittel verwendet werden dürfen, steht in Anhang II der Richtlinie 2002/46/EG, in der Fassung der Verordnung (EG) Nr. 1170/2009. Unter „Vitamin K" stehen dort genau zwei Einträge: Phyllochinon (Phytomenadion) und Menachinon. Zu letzterem gehört eine Fußnote, und die ist der entscheidende Satz: gemeint ist Menachinon, „das hauptsächlich als Menachinon-7 und in geringerem Maße als Menachinon-6 vorkommt".
MK-4 ist dort nicht genannt. Ein Präparat, das MK-4 als Vitamin-K-Quelle deklariert, bewegt sich damit außerhalb dieser Liste — der Grund, warum man in der Kategorie Vitamin K2 hier wie in jedem deutschen Sortiment MK-7 findet und MK-4 vor allem in Importangeboten. Die Wahl zwischen den beiden Formen ist für den europäischen Markt also schon getroffen worden, bevor der Leser vor dem Regal steht.
Was auf dem Etikett stehen sollte
Weil MK-7 gesetzt ist, verschiebt sich die Prüfung auf zwei andere Angaben. Die erste ist die Isomerie: Nur die all-trans-Form ist biologisch aktiv, und gute Deklarationen sagen das. Auf der Zutatenliste unseres Vitamin D3 5.000 I.E. + K2 (MK-7) steht deshalb „Vitamin K2 MK7 99,7+% All-Trans" und nicht bloß „Vitamin K2". Welche Angaben auf einer Dose sonst noch etwas aussagen, sammelt Vitamin D3 + K2 kaufen: Etikett, Preis, Vorrat.
Die zweite ist die Menge. Der Nährstoffbezugswert für Vitamin K beträgt 75 µg (Verordnung (EU) Nr. 1169/2011, Anhang XIII); die EFSA nennt in ihren Referenzwerten von 2017 eine angemessene Zufuhr von 70 µg pro Tag für Erwachsene, die DGE 60 bis 80 µg je nach Alter und Geschlecht. Bemerkenswert ist, wie die EFSA diesen Wert herleitet: Sie setzt ihn ausdrücklich nur für Phyllochinon an, weil die Daten zu Vorkommen, Aufnahme, Funktion und Körperbestand der Menachinone nicht ausreichen. Einen eigenen Bezugswert für MK-7 oder MK-4 gibt es also gar nicht.
| K2-Menge je Tablette | Anteil am Nährstoffbezugswert (75 µg) |
|---|---|
| 25 µg | 33 % |
| 100 µg | 133 % |
| 200 µg | 267 % |
Wie sich diese Mengen zur Vitamin-D-Stärke im selben Presskörper verhalten, rechnet Vitamin D3 und K2: Gibt es ein richtiges Verhältnis? durch — kurz gesagt: gekoppelt sind die beiden Zahlen nicht. Was zur Kombination der beiden Vitamine belegt ist und was nur behauptet wird, steht in Vitamin D3 mit K2: Was belegt ist und was nicht.
Warum die Form bei Gerinnungshemmern zählt
Es gibt eine Situation, in der die längere Verweildauer von MK-7 keine Nebensache ist. Wer Gerinnungshemmer vom Cumarin-Typ einnimmt — Phenprocoumon, Warfarin, Acenocoumarol —, sollte Vitamin-K-haltige Präparate nur nach ärztlicher Rücksprache verwenden; das BfR empfiehlt einen entsprechenden Warnhinweis auf der Packung. Welche Medikamente das genau sind — und warum die neueren Gerinnungshemmer nicht dazugehören —, steht in Vitamin D3 + K2 und Blutverdünner.
Die Formen sind dabei nicht gleich stark. Das BfR nennt zwei Studien, in denen Probanden auf einen INR-Wert von 2,0 eingestellt und dann über sieben Wochen mit steigenden Mengen versorgt wurden: Bei Vitamin K1 lag die Schwelle für eine statistisch nachweisbare Absenkung des INR bei 150 µg pro Tag, bei Vitamin K2 bei 45 µg — K2 wirkt der Therapie also etwa 3,5-mal so stark entgegen. Mit einem Unsicherheitsfaktor von rund 2 schlägt das BfR daraus Höchstmengen von 80 µg K1 beziehungsweise 25 µg K2 je Tagesportion vor; ein Vorschlag, kein geltendes Recht. Auch die Autoren der MK-7-Studie von 2007 hielten fest, dass Präparate mit 50 µg MK-7 pro Tag und mehr die Therapie in klinisch relevantem Ausmaß beeinflussen können. Zum Vergleich: Über die normale Ernährung nahmen die Teilnehmer der EPIC-Heidelberg-Studie im Median 93,6 µg K1 und 34,7 µg K2 pro Tag auf. Wo die Obergrenzen insgesamt liegen, steht in Vitamin K2 Überdosierung.
Was auf der Dose stehen darf
Zugelassene gesundheitsbezogene Angaben stehen in der Verordnung (EU) Nr. 432/2012. Für Vitamin K sind es zwei, und nur in diesem Wortlaut:
- Vitamin K trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei.
- Vitamin K trägt zu einer normalen Blutgerinnung bei.
Beide sprechen von „Vitamin K", nicht von einer Form und nicht von einer Kettenlänge. Führen darf ein Präparat sie, wenn es je Tagesportion mindestens 15 % des Nährstoffbezugswerts enthält, bei Vitamin K also 11,25 µg.
Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise.
Häufige Fragen
Ist MK-7 besser als MK-4?
Für Nahrungsergänzungsmittel-Mengen ist MK-7 die Form, die messbar im Blut ankommt — MK-4 war in der Vergleichsstudie selbst bei 420 µg nicht nachweisbar. Ein pauschales „besser" folgt daraus nicht, denn MK-4 in Arzneimitteldosierung ist eine andere Frage. Für die Kaufentscheidung im deutschen Handel ist sie ohnehin selten relevant: Zugelassen als Quelle ist Menachinon in der Ausprägung MK-7.
Was bedeutet „all-trans" auf dem Etikett?
Menachinon-7 kann in verschiedenen Isomerien vorliegen, aktiv ist die all-trans-Form; die cis-Anteile tragen nichts bei. Deshalb ist eine Angabe wie „99,7+% all-trans" eine echte Information über die Qualität — und deshalb steht „all-trans" auch schon in der EU-Zulassung des Stoffes selbst.
Steht MK-7 auf jeder Packung, in der K2 enthalten ist?
Nicht zwingend. Erlaubt ist auch die schlichte Bezeichnung „Menachinon" oder „Vitamin K" — so sieht es die Zulassung von 2009 vor. Wer die Form genau wissen will, sieht in die Zutatenliste, nicht in die Nährwerttabelle.
Muss ich MK-7 abends nehmen, weil es so lange bleibt?
Bei einer Halbwertszeit von rund 68 Stunden fällt der Zeitpunkt kaum ins Gewicht — die Serumwerte bleiben über Tage stabil. Wichtiger ist die Mahlzeit: Vitamin K ist fettlöslich. Das Praktische dazu steht in Die richtige Einnahme von Vitamin D3 K2 5.000 I.E..
Quellen: Richtlinie 2002/46/EG, Anhang II in der Fassung der Verordnung (EG) Nr. 1170/2009; Entscheidung 2009/345/EG der Kommission über das Inverkehrbringen von Vitamin K2 (Menachinon) aus Bacillus subtilis natto; Verordnung (EU) Nr. 432/2012; Verordnung (EU) Nr. 1169/2011, Anhang XIII; EFSA, Dietary Reference Values for vitamin K (2017); BfR, Vorgeschlagene Höchstmengen für den Zusatz von Vitamin K zu Lebensmitteln einschließlich Nahrungsergänzungsmitteln (2021); DGE-Referenzwerte Vitamin K; Schurgers LJ et al., „Vitamin K-containing dietary supplements: comparison of synthetic vitamin K1 and natto-derived menaquinone-7", Blood 109(8), 2007 (PubMed 17158229); Schurgers LJ, Vermeer C, „Differential lipoprotein transport pathways of K-vitamins in healthy subjects", Biochimica et Biophysica Acta 1570(1), 2002 (PubMed 11960685); Sato T, Schurgers LJ, Uenishi K, „Comparison of menaquinone-4 and menaquinone-7 bioavailability in healthy women", Nutrition Journal 11:93, 2012 (PubMed 23140417).


