Vitamin D3 mit K2: Was belegt ist und was nicht
Futures Nutrition Redaktion · 11. August 2026

Vitamin D3 mit K2: Was belegt ist und was nicht
Die kurze Antwort vorweg: Die beiden Vitamine stehen zusammen auf der Dose, weil sie eine zugelassene Aussage teilen — die zu den Knochen. Die Begründung, die man in der Werbung viel häufiger liest, nämlich dass K2 das Calcium aus den Gefäßen in den Knochen umleitet, ist keine zugelassene Aussage und nach Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) auch wissenschaftlich nicht belegt.
Das ist ein Unterschied, der beim Kauf zählt. Wer glaubt, K2 sei die notwendige Sicherung zu einer Vitamin-D-Einnahme, wird bei einem reinen D3-Präparat ein ungutes Gefühl haben — und dafür gibt es keinen belastbaren Grund. Wer dagegen weiß, welche zwei Sätze die EU für Vitamin K überhaupt erlaubt, kann eine Kombination sachlich bewerten: als zwei Nährstoffe in einer Tablette, nicht als Sicherheitspaket.
Was auf einer D3-K2-Dose stehen darf
Zugelassene gesundheitsbezogene Angaben stehen in der Verordnung (EU) Nr. 432/2012. Sie sind eine abgeschlossene Liste: Was dort nicht steht, darf ein Etikett nicht behaupten. Für die beiden Vitamine sind das diese Sätze:
| Nährstoff | Zugelassene Aussage (Wortlaut) |
|---|---|
| Vitamin D | Vitamin D trägt zu einer normalen Aufnahme und Verwertung von Calcium bei |
| Vitamin D | Vitamin D trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei |
| Vitamin D | Vitamin D trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei |
| Vitamin D | Vitamin D trägt zu einer normalen Muskelfunktion bei |
| Vitamin K | Vitamin K trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei |
| Vitamin K | Vitamin K trägt zu einer normalen Blutgerinnung bei |
Der Schnittpunkt ist genau eine Zeile: beide tragen zur Erhaltung normaler Knochen bei. Das ist der sachliche Kern der Kombination — zwei Nährstoffe, die dasselbe Thema betreffen, in einer Tablette. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Eine Aussage darf ein Präparat übrigens nur führen, wenn es den Nährstoff in nennenswerter Menge enthält: mindestens 15 % des Nährstoffbezugswerts je Tagesportion. Die Bezugswerte stehen in Anhang XIII der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 und betragen 5 µg für Vitamin D und 75 µg für Vitamin K — die Schwelle liegt also bei 0,75 µg beziehungsweise 11,25 µg pro Tagesportion. Sie ist bei handelsüblichen Kombipräparaten mühelos überschritten; deshalb sagt die bloße Anwesenheit der Aussage auf der Verpackung nichts über die Höhe der Dosierung aus.
Die Begründung, die überall mitgeliefert wird
Die Erzählung geht so: Vitamin D erhöht die Calciumaufnahme aus dem Darm, und Vitamin K sorge dafür, dass dieses Calcium im Knochen landet statt in den Gefäßwänden. Der biochemische Anknüpfungspunkt daran ist real. Vitamin K wirkt als Kofaktor der Gamma-Glutamylcarboxylase und ist damit an der Carboxylierung Vitamin-K-abhängiger Proteine beteiligt; das BfR nennt drei Prozesse, in denen solche Proteine eine Rolle spielen: Blutgerinnung, Knochenstoffwechsel und Gefäßbiologie. Zu diesen Proteinen gehören Osteocalcin im Knochen und das Matrix-Gla-Protein in den Gefäßwänden.
Aus einem plausiblen Mechanismus wird aber kein belegter Nutzen. Das BfR hat 2023 genau diese Frage geprüft und schreibt in seiner Stellungnahme 065/2023 wörtlich: „Die Behauptung, dass Vitamin K2 dem Risiko einer Gefäßverkalkung durch hohe Vitamin-D-Einnahmen vorbeugt, ist bislang wissenschaftlich nicht belegt." Und weiter: Inwieweit sich die Interaktion der beiden Vitamine positiv auf die Gesundheit auswirke, sei derzeit unklar; für eine zuverlässige Risikobewertung lägen nicht genügend Daten vor. Studien, in denen Vitamin K und Vitamin D gemeinsam gegeben wurden, gebe es bisher nur wenige.
Dazu passt der Blick in die EU-Liste: Eine Aussage zu Herz oder Blutgefäßen ist für Vitamin K dort nicht enthalten. Die EFSA hat einen entsprechenden Antrag für Vitamin K2 bewertet (Wissenschaftliches Gutachten von 2012 zu ID 125) — in die Liste der zugelassenen Angaben aufgenommen wurde er nicht. Erlaubt bleiben die beiden Sätze aus der Tabelle oben.
Für die Kaufentscheidung heißt das: K2 im Präparat ist kein Gegenmittel, sondern ein zweiter Nährstoff. Wie hoch die Vitamin-D-Menge in einer solchen Tablette sein darf und ab wann sie kritisch wird, ist eine eigene Frage — sie steht in Kann man zu viel Vitamin D nehmen?.

Woher Vitamin K im Alltag kommt
Vitamin K ist ein Sammelbegriff für zwei Stoffgruppen. Vitamin K1 (Phyllochinon) steckt vor allem in grünen Blattgemüsen und Kohlarten; Vitamin K2 (Menachinone, MK-n) kommt in tierischen und fermentierten Lebensmitteln vor — Fleisch, Käse, Eier, in besonders hoher Menge im japanischen Natto aus fermentierten Sojabohnen. Die EFSA hat 2017 eine angemessene Zufuhr (Adequate Intake) von 70 µg Vitamin K pro Tag für Erwachsene abgeleitet, und zwar für Vitamin K insgesamt: Ein eigener Referenzwert für K2 existiert nicht, weil die Datenlage dafür nicht ausreicht.
Das ist der Grund, warum die Versorgungsfrage bei Vitamin K anders liegt als bei Vitamin D. Vitamin D kommt in Lebensmitteln kaum vor — die durchschnittliche Zufuhr über die Ernährung liegt laut den vom BfR zitierten Verzehrsstudien bei etwa 2 bis 4 µg pro Tag, weshalb die DGE für den Fall fehlender körpereigener Bildung einen Schätzwert von 20 µg ansetzt. Vitamin K dagegen liefert ein normaler Speiseplan mit Blattgemüse in aller Regel ausreichend. Ein Kombipräparat schließt hier also seltener eine Lücke, als die Aufmachung vermuten lässt.

Was in den Kombipräparaten tatsächlich steckt
Die entscheidende Spalte ist nicht die Zahl auf der Vorderseite, sondern die Menge pro Tag, die sich aus Stärke und Einnahmerhythmus ergibt:
| Präparat | pro Tablette/Kapsel | Rhythmus laut Etikett | rechnerisch pro Tag |
|---|---|---|---|
| Vitamin D3 4.000 I.E. + K2 200 µg – 365 Tabletten | 100 µg D3, 200 µg K2 | täglich oder jeden 2. Tag | 100 bzw. 50 µg D3, 200 bzw. 100 µg K2 |
| Liposomales D3 5.000 I.E. + K2 100 µg – 180 Kapseln | 125 µg D3, 100 µg K2 | alle 5 Tage | 25 µg D3, 20 µg K2 |
| Vitamin D3 10.000 I.E. + K2 – 360 Tabletten | 250 µg D3, 200 µg K2 | alle 10 Tage | 25 µg D3, 20 µg K2 |
| Vitamin D3 20.000 I.E. + K2 200 µg – 360 Tabletten | 500 µg D3, 200 µg K2 | alle 20 Tage | 25 µg D3, 10 µg K2 |
Zum Einordnen die Bezugswerte, die dazu gehören: Die EFSA hat für Vitamin D einen Tolerable Upper Intake Level (UL) von 100 µg pro Tag für Erwachsene abgeleitet — die Menge aus allen Quellen, die dauerhaft ohne zu erwartende Beeinträchtigungen aufgenommen werden kann. Das BfR schlägt für Nahrungsergänzungsmittel darunter liegende Höchstmengen je Tagesverzehrempfehlung vor: 20 µg Vitamin D, 80 µg Vitamin K1 und 25 µg Vitamin K2. Für Vitamin K gibt es keinen UL; in Studien zur MK-7-Gabe bis etwa 400 µg pro Tag wurden keine negativen gesundheitlichen Effekte beobachtet, und das BfR sieht bei 100 µg MK-7 pro Tagesdosis für Erwachsene keine Hinweise auf gesundheitliche Beeinträchtigungen — vorausgesetzt, es steht ein Warnhinweis für Menschen mit Gerinnungshemmern auf der Packung.
Auffällig ist die erste Zeile: Das Präparat mit der kleinsten Zahl auf der Dose liefert die mit Abstand höchste Tagesmenge — bei täglicher Einnahme 100 µg Vitamin D und 200 µg K2. Wer die Depot-Rhythmen der stärkeren Varianten dagegen einhält, liegt bei 25 µg Vitamin D und 10 bis 20 µg K2 pro Tag. Warum die großen Zahlen keine großen Tagesmengen sind, rechnet Vitamin D3 K2 20.000 IE im Vergleich im Detail durch.
Wann K2 im Präparat eine Rolle spielt — und wann es stört
Es gibt eine Gruppe, für die die Kombination keine Geschmacksfrage ist: Wer gerinnungshemmende Medikamente vom Cumarin-Typ einnimmt (etwa Phenprocoumon oder Warfarin), sollte Vitamin-K-haltige Präparate nur nach ärztlicher Rücksprache verwenden. Vitamin K — sowohl K1 als auch K2 — kann die therapeutische Wirkung dieser Arzneimittel abschwächen; das BfR weist ausdrücklich darauf hin, dass in Deutschland viele ältere Menschen solche Medikamente einnehmen. In diesem Fall ist ein reines D3-Präparat wie das Vitamin D3 4.000 I.E. ohne K2 die einfachere Wahl. Welche Wirkstoffgruppen davon betroffen sind und welche ausdrücklich nicht, steht in Vitamin D3 + K2 und Blutverdünner.
Für alle anderen ist es eine Rechenfrage. Zwei Nährstoffe in einer Tablette sind bequem und meist günstiger als zwei Dosen — ob das im Einzelfall stimmt, zeigt erst der Preis je Tag, den Vitamin D3 + K2 kaufen: Etikett, Preis, Vorrat durchrechnet. Wer viel Blattgemüse isst, deckt Vitamin K allerdings ohnehin ab und kauft mit K2 nicht viel dazu. Und wer wissen will, wie viel Vitamin K nach oben hin unbedenklich ist, findet die Zahlen in Vitamin K2 Überdosierung.
Häufige Fragen
Muss ich K2 nehmen, wenn ich Vitamin D nehme?
Nein. Es gibt keine zugelassene Aussage und nach Einschätzung des BfR auch keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass Vitamin K2 eine Vitamin-D-Zufuhr absichert. Reine D3-Präparate sind kein Kompromiss.
Verbraucht Vitamin D das Vitamin K im Körper?
Diese Formulierung findet sich häufig, hat aber keine belastbare Grundlage in den Bezugswerten der Behörden. Das BfR beschreibt die Interaktion der beiden Vitamine ausdrücklich als unklar und die Datenlage als für eine Bewertung nicht ausreichend.
K1 oder K2 — ist der Unterschied wichtig?
Für die zugelassenen Aussagen nicht: Sie gelten für Vitamin K, unabhängig von der Form. Unterschiede gibt es in der Pharmakokinetik. MK-7 hat laut den vom BfR zusammengetragenen Daten eine Halbwertszeit von etwa drei Tagen, Vitamin K1 nur ein bis zwei Stunden — deshalb steckt in Depot-Präparaten meist MK-7.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Einnahme?
Beide Vitamine sind fettlöslich und werden deshalb zu einer Mahlzeit mit etwas Fett genommen. Was das konkret bedeutet, steht in Die richtige Einnahme von Vitamin D3 K2 5.000 I.E..
Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise.
Quellen: Verordnung (EU) Nr. 432/2012 (Liste zugelassener gesundheitsbezogener Angaben); Verordnung (EU) Nr. 1169/2011, Anhang XIII (Nährstoffbezugswerte); BfR, Stellungnahme 065/2023 vom 7. Dezember 2023 „Hochdosierte Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin D können langfristig die Gesundheit beeinträchtigen"; BfR, Aktualisierte Höchstmengenvorschläge für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln (2021); EFSA, Dietary Reference Values for vitamin K (2017) und for vitamin D (2016); DGE-Referenzwerte Vitamin D.


