Vitamin K2 Qualität: Deklaration, Stabilität, Herkunft
Futures Nutrition Redaktion · 11. August 2026

Vitamin K2 Qualität: Deklaration, Stabilität, Herkunft
Die Menge auf der Dose ist keine Messung, sondern ein Versprechen: Sie muss bis zum Ende der Haltbarkeit eingehalten werden, und der Gesetzgeber lässt dafür einen breiten Korridor. Ob am Ende tatsächlich das drin ist, was vorne steht, entscheidet sich an drei Stellen, von denen keine auf der Schauseite der Packung steht — an der Deklaration, an der Stabilität (was mit dem K2 in derselben Tablette liegt und wie gelagert wird) und an der Herkunft des Rohstoffs. Untersuchungen an Marktware finden genau dort die Ausreißer: von 55 bis 116 Prozent des ausgelobten Gehalts war alles dabei.
Dieser Artikel zeigt, was auf einem K2-Etikett stehen muss, was fehlen darf und welche zwei, drei Angaben in der Praxis den Unterschied machen.
Was auf dem Etikett stehen muss — und was fehlen darf
Für Nahrungsergänzungsmittel schreibt § 4 der Nahrungsergänzungsmittelverordnung (NemV) vor, welche Angaben zwingend sind: die Menge der Nährstoffe bezogen auf die empfohlene Tagesportion und der Anteil am Nährstoffbezugswert (NRV) in Prozent. Für Vitamin K liegt dieser Bezugswert bei 75 µg pro Tag (Verordnung (EU) Nr. 1169/2011, Anhang XIII); 200 µg MK-7 erscheinen dort also als rund 267 %. Welche Verbindung das Vitamin liefert, steht nicht in der Nährwerttabelle, sondern im Zutatenverzeichnis — zugelassen ist für Vitamin K2 allein „Menachinon" (Richtlinie 2002/46/EG, Anhang II).
| Angabe | Pflicht? | Was sie über die Qualität sagt |
|---|---|---|
| Menge je Tagesportion in µg | ja | die Bezugsgröße für alles Weitere |
| % des Nährstoffbezugswerts | ja | nur eine Umrechnung, kein Qualitätsmaß |
| Verzehrempfehlung | ja | ohne sie ist die µg-Angabe nicht einzuordnen |
| Zutat „Menachinon" | ja | die rechtlich zugelassene Quelle |
| Mindesthaltbarkeitsdatum, Chargennummer | ja | Voraussetzung für jede Rückverfolgung |
| Form (MK-7 oder MK-4) | nein | erst hier wird die Angabe konkret |
| Isomerie (all-trans, Reinheitsgrad) | nein | die eigentlich aussagekräftige Zeile |
| Herstellweg („aus Natto-Fermentation") | nein | Hinweis auf den Rohstoff |
| Trägeröl, Kapselhülle, Zusatzstoffe | ja (Zutatenliste) | entscheidet über Verträglichkeit und Stabilität |
Die untere Hälfte der Tabelle ist die interessante: Alles, was tatsächlich etwas über den Inhalt aussagt, ist freiwillig. Ein Etikett mit „Vitamin K2 200 µg" und sonst nichts ist vollkommen regelkonform — und lässt offen, welche Kettenlänge, welche Geometrie und welcher Herstellweg dahinterstecken. Was diese Begriffe bedeuten, steht in Vitamin K2 Formen; warum die Geometrie über die Wirkform entscheidet, in Vitamin K2 MK-7 all-trans.
Der Toleranzrahmen: 200 µg sind 160 bis 300 µg

Kaum jemand rechnet damit, aber die deklarierte Zahl ist ein Mittelwert mit amtlich zugestandener Schwankung. Der Leitfaden der Europäischen Kommission zu Toleranzen bei Nährwertangaben (Dezember 2012) nennt in Tabelle 2 für Nahrungsergänzungsmittel:
| Nährstoffgruppe | untere Toleranz | obere Toleranz |
|---|---|---|
| Vitamine | −20 % | +50 % |
| Mineralstoffe | −20 % | +45 % |
Die Messunsicherheit ist in diesen Werten bereits enthalten. Für 200 µg deklariertes Vitamin K2 heißt das: 160 bis 300 µg sind bei einer amtlichen Kontrolle nicht zu beanstanden. Und der Leitfaden hält in Abschnitt 2.2 ausdrücklich fest, dass die gemessenen Werte während der gesamten Haltbarkeitsdauer in diesem Bereich liegen sollen — nicht nur am Tag der Abfüllung. Genau daraus folgt die Praxis vieler Hersteller, von vornherein mehr einzuwiegen, als auf der Packung steht.
Dieser Korridor ist der Grund, warum „Qualität" bei K2 keine Frage des guten Willens ist: Wer den Schwund nicht kennt, kann ihn nicht einrechnen.
Stabilität: was neben dem K2 in der Tablette liegt
MK-7 ist wärmebeständiger, als sein Ruf vermuten lässt — es zerfällt vor allem unter UV-Strahlung und in alkalischer Umgebung. Damit wird die Zusammensetzung der Tablette zur Qualitätsfrage, und zwar auf eine Weise, die den meisten Käufern genau falsch herum geläufig ist.
Eine Untersuchung von Orlando und Kollegen (Molecules 2019;24(5):829) hat drei MK-7-Rohstoffe — zwei fermentativ gewonnene, einen synthetischen — mit typischen Begleitstoffen eingelagert und über zwölf Monate bei 25 °C/60 % relativer Feuchte sowie sechs Monate unter Stressbedingungen bei 40 °C/75 % verfolgt:
| Beigemischter Stoff | Ergebnis |
|---|---|
| Calciumcitrat | unauffällig, kein Stabilitätsverlust beim reinen Rohstoff |
| Calciumcarbonat | unauffällig |
| L-Arginin | deutlicher Abbau unter Stressbedingungen |
| Magnesiumoxid | stärkster Abbau; unter Stressbedingungen brach der Gehalt weit unter 90 % ein |
Die verbreitete Faustregel „Calcium zerstört das K2" trifft die Sache also nicht. Gemessen war das alkalisch reagierende Magnesiumoxid der Störfaktor, und die Autoren führen den Effekt genau darauf zurück: auf die Alkalität der Rezeptur. Praktisch heißt das nicht, dass man Magnesium und K2 nicht am selben Tag nehmen kann — sie liegen dann ja nicht monatelang im selben Pressling. Es heißt, dass ein Multimineral-Kombipräparat mit Magnesiumoxid und K2 in einer Tablette die riskanteste Bauform ist. Welche Kombinationen sich beim Einnehmen sinnvoll trennen lassen, steht in Vitamin K2 einnehmen; wie Calcium und K2 zusammenhängen, in Vitamin K2 und Calcium.
Der Rohstoff schlägt jedes Mineral
Noch deutlicher als der Beistoff wirkte in derselben Untersuchung die Reinheit des Rohstoffs. Das hochreine Material (99,3 % all-trans-MK-7, keine unidentifizierten Nebenpeaks) blieb über zwölf Monate stabil. Die beiden unreinen Muster — 19 beziehungsweise 23 unbekannte Peaks im Chromatogramm — zerfielen dagegen rasch: Das synthetische Material hatte unter ganz normalen Lagerbedingungen binnen eines Monats die Hälfte seines MK-7 verloren. Der begleitende Marktvergleich fand Gehalte zwischen 55 und 116 % der Deklaration, und die Abweichung ging mit dem Verunreinigungsprofil einher.
Eine Verpackung kann das nicht auffangen — sie kann es nur nicht zusätzlich verschlimmern. Dunkles Glas, blickdichte Blister oder eine geschlossene Dose schützen vor UV; trocken und bei Raumtemperatur gelagert, nicht auf der Fensterbank, ist der Rest getan.
Öl oder Tablette

Eine polnische Arbeitsgruppe hat acht MK-7-Präparate analysiert, vier Harttabletten und vier Weichkapseln mit Öl (Szterk et al., Molecules 2018;23(5):1056). Die Tabletten enthielten 22,7 bis 87,7 µg je Stück und lagen damit häufig unter der Auslobung; die Ölkapseln kamen auf 26 bis 373,8 µg und lagen damit teils weit darüber — die Autoren führen das auf einkalkulierten Schwund während der Lagerung zurück. Zugleich fanden sie erhebliche Mengen inaktiver Isomere: 70,9 bis 218,7 µg cis/trans-MK-7 und 5,5 bis 16,9 µg cis/trans-MK-6 je Einheit.
Daraus folgt keine Empfehlung für eine Darreichungsform, sondern die nüchterne Feststellung, dass beide Bauformen ihre typische Abweichung haben. Was die Form für die Aufnahme bedeutet, ist in Vitamin K2 einnehmen beschrieben.
Herkunft: woher der Rohstoff kommt und wer ihn geprüft hat
Vitamin K2 entsteht entweder durch Fermentation mit Bacillus subtilis natto — so steht es in der EU-Zulassung — oder durch chemische Synthese. Enzyme arbeiten stereospezifisch und liefern von Haus aus all-trans; bei der Synthese entsteht zunächst ein Isomerengemisch, das abgetrennt werden muss. Genau hier liegt der Grund, warum die polnische Arbeitsgruppe aus hohen cis-Anteilen auf die tatsächliche Herkunft schließen konnte: Echtes Natto enthält ausschließlich all-trans-MK-7, ein Präparat mit hohem cis-Anteil kann daher kaum aus reiner Fermentation stammen, gleich was die Packung auslobt.
Woran sich Herkunft und Prüfung nachvollziehen lassen:
- Benannter Markenrohstoff. Steht der Handelsname des K2-Rohstoffs auf dem Etikett, gibt es eine öffentliche Spezifikation, gegen die man lesen kann. Fehlt er, bleibt nur die Angabe des Herstellers.
- Isomerangabe mit Zahl. „≥ 99 % all-trans" ist eine Prüfgröße, „all-trans" allein eine Behauptung. Nur die getrennte Bestimmung nach Isomeren zeigt, was aktiv ist — eine Summenanalyse „Vitamin K2 gesamt" nicht.
- Charge und Mindesthaltbarkeit auf der Packung. Ohne Chargennummer ist keine Rückverfolgung möglich, und das Datum ist die Frist, für die der deklarierte Gehalt gilt.
- Analysenzertifikat auf Nachfrage. Seriöse Anbieter geben es für die konkrete Charge heraus; interessant sind Gehalt, Isomerenverteilung und Schwermetalle.
- Kontaminanten. Die Verordnung (EU) 2023/915 setzt für Nahrungsergänzungsmittel Höchstgehalte von 3,0 mg/kg Blei, 1,0 mg/kg Cadmium und 0,1 mg/kg Quecksilber. Das sind Grenzwerte, keine Gütesiegel — aber ein Prüfbericht, der sie ausweist, zeigt, dass überhaupt gemessen wurde.
Im eigenen Sortiment steht die Form deshalb im Produktnamen und nicht im Kleingedruckten — etwa beim Vitamin D3 20.000 I.E. + K2 MK-7 all-trans oder, in der täglichen Dosierung, beim Vitamin D3 4.000 I.E. + K2 200 µg MK-7. Der Überblick über die Stärken steht in der Kategorie Vitamin K2.
Die Prüfung in dreißig Sekunden
| Schritt | Worauf man schaut |
|---|---|
| 1. Tagesportion | Wie viele Kapseln ergeben die genannten µg? |
| 2. Form | Steht „MK-7" da — oder nur „Vitamin K2"? |
| 3. Isomerie | „all-trans", besser mit Prozentzahl |
| 4. Zutatenliste | Magnesiumoxid mit K2 in derselben Tablette? |
| 5. Verpackung | blickdicht, dicht verschlossen |
| 6. Datum und Charge | vorhanden und lesbar |
Nichts davon verlangt Fachwissen, und keine der sechs Zeilen kostet Geld — sie kosten nur den Blick auf die Rückseite. Wie sich daraus ein Preisvergleich je Mikrogramm ergibt, steht in Vitamin D3 + K2 kaufen; welche Mengen überhaupt üblich sind, in Vitamin K2 Tagesbedarf.
Was über Vitamin K gesagt werden darf
Die zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben stehen in der Verordnung (EU) Nr. 432/2012. Sie gelten für den Nährstoff Vitamin K, nicht für eine bestimmte Form, Reinheit oder Marke:
- Vitamin K trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei.
- Vitamin K trägt zu einer normalen Blutgerinnung bei.
Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise.
Häufige Fragen
Ist ein teureres K2-Präparat automatisch das bessere? Nein. Der Preis sagt nichts über die Isomerenverteilung, und die Rohstoffkosten sind bei 200 µg pro Tagesportion ohnehin klein gegenüber Verpackung und Vertrieb. Aussagekräftig sind die Angaben auf der Rückseite, nicht die Zahl auf dem Preisschild.
Sollte ich Magnesium und Vitamin K2 getrennt kaufen? Kaufen ja, nehmen nicht zwingend. Problematisch ist nach der zitierten Untersuchung die dauerhafte Lagerung von Magnesiumoxid und MK-7 in derselben Tablette, nicht die Einnahme am selben Tag. Zwei getrennte Präparate lösen das Problem ohne jeden Aufwand.
Woran erkenne ich, dass mein Präparat gelitten hat? Von außen gar nicht — MK-7 zerfällt geruchs- und farblos. Deshalb sind Verpackung, Lagerort und Mindesthaltbarkeitsdatum die einzigen Hebel, die man selbst in der Hand hat. Angebrochene Dosen gehören verschlossen in den Schrank, nicht ins Fensterbrett oder auf die Ablage über dem Herd.
Ist „aus Natto" ein Qualitätssiegel? Es beschreibt den Herstellweg und nicht das Ergebnis. Der Weg spricht dafür, dass all-trans-Material vorliegt, aber belegt ist das erst durch die Isomerangabe. Umgekehrt kann sauber aufgereinigtes synthetisches MK-7 dieselbe Reinheit erreichen — der Unterschied liegt dann in den Begleitstoffen, wie in Vitamin K2 Formen beschrieben.
Quellen: Nahrungsergänzungsmittelverordnung (NemV), § 4; Verordnung (EU) Nr. 1169/2011, Anhang XIII (Nährstoffbezugswert Vitamin K 75 µg); Richtlinie 2002/46/EG, Anhang II (zugelassene Vitamin-K-Quellen); Europäische Kommission, GD Gesundheit und Verbraucher, „Leitfaden für zuständige Behörden — Kontrolle der Einhaltung der EU-Rechtsvorschriften … in Bezug auf die Festlegung von Toleranzen für auf dem Etikett angegebene Nährwerte", Dezember 2012, Tabelle 2 und Abschnitt 2.2; Verordnung (EU) 2023/915 über Höchstgehalte für bestimmte Kontaminanten in Lebensmitteln; Verordnung (EU) Nr. 432/2012; Orlando P, Silvestri S, Marcheggiani F et al., „Menaquinone 7 Stability of Formulations and Its Relationship with Purity Profile", Molecules 2019;24(5):829 (PubMed 30813554); Szterk A, Bus K, Zmysłowski A, Ofiara K, „Analysis of Menaquinone-7 Content and Impurities in Oil and Non-Oil Dietary Supplements", Molecules 2018;23(5):1056 (PubMed 29724016).


