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Melatonin

Melatonin bei Jetlag: Richtung, Zeitpunkt, Menge

Futures Nutrition Redaktion · 11. August 2026

Melatonin bei Jetlag: Richtung, Zeitpunkt, Menge

Melatonin bei Jetlag: Richtung, Zeitpunkt, Menge

  1. August 2026

Für Jetlag gibt es eine eigene zugelassene Angabe, und ihre Bedingung ist bescheidener, als die meisten erwarten: mindestens 0,5 mg, kurz vor dem Schlafengehen — am ersten Reisetag und an den ersten Tagen nach der Ankunft. Nicht mehr. Die Zahl, an der es in der Praxis scheitert, ist deshalb selten die Milligrammzahl, sondern die Uhrzeit: Gemeint ist die Bettzeit am Zielort, nicht die Nacht im Flugzeug und nicht die Uhrzeit zu Hause. Und noch etwas entscheidet mehr als die Tablette, nämlich die Richtung des Flugs — nach Osten fällt die Umstellung schwer, nach Westen deutlich leichter.

Melatonin trägt zur Linderung der subjektiven Jetlag-Empfindung bei. Die positive Wirkung stellt sich ein, wenn am ersten Reisetag kurz vor dem Schlafengehen sowie an den ersten Tagen nach Ankunft am Zielort mindestens 0,5 mg Melatonin aufgenommen werden.

Jetlag entsteht durch Zeitzonen, nicht durch Flugstunden

Der Körper führt eine innere Uhr, deren Eigenperiode etwas länger als 24 Stunden läuft. Sie wird täglich nachgestellt — vor allem durch Licht. Ein Flug verschiebt die äußere Zeit innerhalb von Stunden, die innere zieht nur langsam nach. In der Zwischenzeit passt beides nicht zusammen: Man ist am Nachmittag müde, liegt nachts wach, und Appetit und Verdauung folgen noch dem alten Rhythmus.

Daraus folgt eine Unterscheidung, die viel Ärger erspart: Lang ist nicht gleich Jetlag. Frankfurt–Johannesburg dauert rund elf Stunden und überquert im Sommer eine einzige Zeitzone — danach ist man erschöpft, aber die innere Uhr steht richtig. Frankfurt–New York dauert kaum länger und verschiebt sechs Stunden. Was zählt, ist die Zahl der übersprungenen Zeitzonen; Sitzenge, trockene Kabinenluft und kurze Nacht sind Reisemüdigkeit und vergehen nach einmal Ausschlafen. Unterhalb von etwa drei Zeitzonen lohnt deshalb kein Plan; die Auswertungen zur Jetlag-Angabe beziehen sich überwiegend auf Flüge über fünf und mehr Zeitzonen.

Was die zugelassene Angabe sagt — und was nicht

In der Verordnung (EU) Nr. 432/2012 stehen für Melatonin zwei Angaben nebeneinander. Sie sind nicht austauschbar: Jede hat ihre eigene Menge und ihren eigenen Zeitpunkt.

Zugelassene AngabeMenge je PortionBedingung
Melatonin trägt dazu bei, die Einschlafzeit zu verkürzen1 mgkurz vor dem Schlafengehen
Melatonin trägt zur Linderung der subjektiven Jetlag-Empfindung beimindestens 0,5 mgam ersten Reisetag kurz vor dem Schlafengehen sowie an den ersten Tagen nach Ankunft am Zielort

Zwei Dinge stehen dort ausdrücklich nicht. Erstens keine Obergrenze der Wirksamkeit nach oben — es gibt schlicht keine zweite, stärkere Jetlag-Angabe, die erst ab 5 oder 10 mg gelten würde. Zweitens keine Zahl an Tagen: „an den ersten Tagen nach Ankunft" bleibt offen.

Bemerkenswert ist, dass die Jetlag-Bedingung mit 0,5 mg niedriger liegt als die 1 mg der Einschlafzeit-Angabe. Die kleinste im Handel übliche Stärke erfüllt sie also mit einer einzigen Tablette. Welche Stärke zu welcher Angabe gehört und wo das Arzneimittelrecht beginnt, steht ausführlich in Melatonin-Dosierung: 0,5, 1, 2, 5 oder 10 mg?.

Ost oder West: die Richtung entscheidet mehr als die Menge

Ein Flug nach Westen verlängert den Tag, ein Flug nach Osten kürzt ihn. Weil die innere Uhr von sich aus etwas langsamer als 24 Stunden läuft, fällt das Verlängern leicht und das Kürzen schwer — jeder kennt das aus dem Wochenende, an dem man mühelos später ins Bett kommt und montags nicht früher einschläft.

RichtungWas der Körper leisten mussÜbliche UmstellungsgeschwindigkeitBeispiel ab Frankfurt
nach WestenTag verlängern, später ins Bettgrob 1 bis 1,5 Stunden pro TagNew York −6 Stunden
nach OstenTag verkürzen, früher ins Bettgrob 1 Stunde pro Tag, oft wenigerTokio +7 Stunden
Nord–Südnichtskeine VerschiebungKapstadt ±0 bis 1 Stunde

Die Zahlen sind Anhaltswerte und schwanken von Mensch zu Mensch erheblich; die Richtung des Unterschieds ist dagegen gut belegt. Für die Praxis heißt das: Nach Tokio braucht die Umstellung eher eine Woche als drei Tage, nach New York geht sie schneller. Die Cochrane-Übersichtsarbeit zu Melatonin und Jetlag beschreibt denselben Zusammenhang — der Nutzen ist umso größer, je mehr Zeitzonen überquert werden, und geringer bei Flügen nach Westen.

Der Zeitpunkt richtet sich nach dem Zielort

Hier liegt der Fehler, der am häufigsten gemacht wird. Im Flugzeug wird es dunkel, alle setzen die Schlafmaske auf, und die Tablette wandert über dem Atlantik hinunter. Genau das steht aber nicht in der Bedingung. Dort steht „kurz vor dem Schlafengehen" — und gemeint ist die Nacht, die am Zielort gerade beginnt. In den ausgewerteten Studien wurde Melatonin nahe der Zielbettzeit eingenommen, also ungefähr zwischen 22 und 24 Uhr Ortszeit.

Das ist kein formaler Unterschied. Melatonin wirkt als Zeitsignal, und ein Zeitsignal zur falschen Stunde stellt die Uhr in die falsche Richtung. Die Cochrane-Auswertung nennt genau das als gelegentliches Problem: zu früh eingenommen, kann Melatonin die Anpassung verzögern statt sie zu unterstützen. Wer um 15 Uhr Ortszeit landet, gähnt, und deshalb sofort eine Tablette nimmt, verschiebt seine innere Uhr eher weiter weg vom Zielort.

Ein Ablauf für einen Flug nach Osten sieht deshalb so aus:

WannWas
Erster Reisetagkurz vor der Bettzeit am Zielort — auch wenn das im Flugzeug oder direkt nach der Landung ist
Nächte 1 bis 3 nach Ankunftjeweils kurz vor dem Zubettgehen nach Ortszeit
Tagsüberkeine Einnahme, auch nicht bei Müdigkeit am Nachmittag
Nachts wach gewordennichts nachlegen — der Zeitpunkt liegt vor dem Schlafengehen

Praktisch hilft, die Uhr beim Einsteigen auf die Zielzeit zu stellen und ab dann alles danach zu planen: Essen, Licht, Bettzeit, Tablette. Wie eng „kurz vor dem Schlafengehen" bei welcher Darreichungsform zu nehmen ist und was eine Mahlzeit an der Aufnahme ändert, steht in Melatonin einnehmen: der richtige Zeitpunkt am Abend.

Anzeigetafel mit Abflügen und Uhr in einer Flughafenhalle

Wie viele Tage — und wann man besser gar nicht umstellt

„An den ersten Tagen nach Ankunft" ist bewusst offen formuliert. In den Studien wurde meist über zwei bis fünf Tage nach der Landung eingenommen. Ein brauchbares Abbruchkriterium ist der Abend selbst: Wer zur Ortszeit von allein müde wird und morgens zur Ortszeit wach ist, hat die Umstellung hinter sich.

Umgekehrt gibt es Reisen, bei denen sich die Umstellung nicht lohnt. Bei einem Kurztrip über zwei Nächte ist die innere Uhr fast wieder zu Hause, bevor sie am Zielort angekommen wäre. Dann ist es sinnvoller, so weit wie möglich in der heimischen Zeit zu bleiben — Termine in das eigene Tagesfenster legen, statt sich zweimal umzustellen.

Menge: die kleinste Stärke erfüllt die Bedingung

Die Untersuchungen zum Jetlag haben Mengen zwischen 0,5 und 5 mg verglichen. Das Ergebnis fällt nüchtern aus: Sie wirkten auf das Jetlag-Empfinden ähnlich; oberhalb von 5 mg zeigte sich kein zusätzlicher Nutzen. Interessant ist ein Nebenbefund — eine Zubereitung mit verzögerter Freisetzung schnitt vergleichsweise schwach ab. Das spricht dafür, dass für das Zeitsignal ein kurzer, hoher Gipfel günstiger ist als ein flacher Verlauf über die Nacht.

StärkeVerhältnis zur Jetlag-BedingungAnmerkung
0,5 mgerfüllt sie mit einer Tablettein den Studien ähnlich wirksam wie 5 mg
1 mgerfüllt sie; zugleich die Menge der Einschlafzeit-Angabeeine Tablette für beide Angaben
2 mg teilbarhalbe Tablette = 1 mgeine Packung, zwei Mengen
5 und 10 mgweit oberhalbkeine zusätzliche zugelassene Angabe

Für die Reise ist deshalb die kleinste Stärke die passgenaue: Melatonin 0,5 mg trifft die Bedingung von mindestens 0,5 mg mit einer Tablette und lässt sich bei Bedarf auf 1 mg verdoppeln. Wer beides in einer Packung führen möchte — 1 mg für zu Hause, weniger für unterwegs —, ist mit dem teilbaren Melatonin 2 mg besser bedient. Einen Überblick über alle Stärken gibt die Kategorie Melatonin.

Licht ist das stärkere Signal

Der eigentliche Taktgeber der inneren Uhr ist Licht, und keine Tablette ersetzt ihn. Die Faustregel folgt der Flugrichtung: Nach einem Ostflug hilft helles Licht am Morgen, den Rhythmus nach vorn zu ziehen — hinaus, sobald es hell ist, statt im abgedunkelten Hotelzimmer nachzuschlafen. Nach einem Westflug ist es umgekehrt: Licht am Abend hält wach, bis die Ortszeit zur Bettzeit passt.

Dazu gehört auch das Gegenteil — Licht meiden, wenn es die Uhr in die falsche Richtung zieht. Nach einem weiten Ostflug ist das Sonnenlicht am frühen Morgen der ersten Tage für den Körper noch tiefe Nacht; eine Sonnenbrille auf dem Weg zum ersten Termin ist dann kein Spleen, sondern Teil des Plans. Umgekehrt gilt am Abend: gedämpftes Licht statt Deckenbeleuchtung, Bildschirm früh weglegen.

Zwei Menschen gehen bei tief stehender Morgensonne einen Weg entlang

Was am ersten Tag sonst noch hilft — und was nicht

Alkohol im Flugzeug. Der Drink über den Wolken macht schläfrig und stört zugleich den Ablauf der Nacht; in Kombination mit Melatonin ist er ohnehin keine gute Idee. Warum, steht in Warum sollte man Alkohol und Melatonin nicht zusammen einnehmen?.

Koffein. Am Ankunftstag ist es nützlich, um bis zur Ortsbettzeit durchzuhalten — aber nicht mehr am späten Nachmittag, sonst verschiebt es genau die Nacht, um die es geht.

Der Nachmittagsschlaf. Kurz und früh ist er unproblematisch. Zwei Stunden um 17 Uhr Ortszeit dagegen nehmen dem Abend den Druck, der für die Umstellung gebraucht wird.

Mahlzeiten. Essen ist ein schwächerer, aber messbarer Zeitgeber — auch hier lohnt es sich, ab dem ersten Tag der Ortszeit zu folgen.

Wofür Melatonin auf Reisen nicht gedacht ist

Die zugelassene Angabe bezieht sich auf das subjektive Jetlag-Empfinden nach einem Zeitzonenwechsel — nicht auf Flugangst, nicht auf lange Nachtflüge ohne Zeitverschiebung und nicht darauf, im Sitzen Schlaf nachzuholen.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung nennt in seiner Stellungnahme Nr. 42/2024 als unerwünschte Wirkungen unter anderem Schläfrigkeit am Folgetag, Kopfschmerzen, verringerte Aufmerksamkeit und verlängerte Reaktionszeiten — auch bei Mengen von 1 mg und darunter. Auf Reisen ist das besonders relevant: Wer am Zielort einen Mietwagen übernimmt, sollte den zeitlichen Abstand zur Einnahme einplanen. Von einer eigenständigen Anwendung rät dasselbe Institut bestimmten Gruppen ab: Kindern und Jugendlichen, Schwangeren und Stillenden, Menschen mit eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion oder mit Epilepsie sowie Personen, die Blutdrucksenker oder Gerinnungshemmer einnehmen. Wer regelmäßig Arzneimittel einnimmt, klärt die Reiseplanung sinnvollerweise vorher ärztlich ab — auch wegen möglicher Wechselwirkungen.

Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise.

Die Kurzfassung

  1. Es zählen Zeitzonen, nicht Flugstunden — unter drei lohnt kein Plan.
  2. Die zugelassene Angabe verlangt mindestens 0,5 mg, am ersten Reisetag und an den ersten Tagen nach Ankunft.
  3. Der Zeitpunkt ist die Bettzeit am Zielort, nicht die Nacht im Flugzeug.
  4. Nach Osten ist die Umstellung schwerer und der Nutzen größer als nach Westen.
  5. Zu früh eingenommen, verschiebt Melatonin die innere Uhr in die falsche Richtung.
  6. Licht ist der stärkere Taktgeber: morgens hell nach Ostflügen, abends hell nach Westflügen.

Häufige Fragen

Soll ich Melatonin schon im Flugzeug nehmen?

Nur, wenn die Bettzeit am Zielort in die Flugzeit fällt. Der Bezugspunkt der Bedingung ist das Schlafengehen am Ziel — bei einem Abendflug nach Osten kann das tatsächlich über den Wolken liegen, bei einem Tagflug nach Westen nicht. Die Uhr beim Einsteigen umzustellen macht die Entscheidung einfacher.

Wie viele Milligramm brauche ich bei zehn Zeitzonen?

Nicht mehr als bei sechs. Die Bedingung nennt mindestens 0,5 mg, und in den Untersuchungen wirkten 0,5 bis 5 mg auf das Jetlag-Empfinden ähnlich, während oberhalb von 5 mg kein zusätzlicher Nutzen erkennbar war. Was mit der Zahl der Zeitzonen wächst, ist die Zahl der Tage bis zur Umstellung, nicht die Milligrammzahl.

Hilft es auch auf dem Rückflug nach Hause?

Die Bedingung unterscheidet nicht zwischen Hin- und Rückweg, sondern nur zwischen Reisetag und den ersten Tagen nach Ankunft — der Zielort ist auf dem Rückweg eben das Zuhause. Praktisch ist die Rückkehr nach Westen meist die leichtere Richtung.

Und wenn ich die Einnahme an einem Abend vergesse?

Dann wird sie nicht nachgeholt und schon gar nicht in der Nacht verdoppelt. Am nächsten Abend wieder zur Ortsbettzeit — die Umstellung geht dadurch nicht verloren, sie dauert höchstens einen Tag länger.


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Quellen: Verordnung (EU) Nr. 432/2012 (zugelassene gesundheitsbezogene Angaben, Melatonin: Jetlag mindestens 0,5 mg am ersten Reisetag und an den ersten Tagen nach Ankunft, Einschlafzeit 1 mg kurz vor dem Schlafengehen); Herxheimer A, Petrie KJ, „Melatonin for the prevention and treatment of jet lag", Cochrane Database of Systematic Reviews 2002, CD001520 (Einnahme nahe der Zielbettzeit, 22–24 Uhr Ortszeit; Flüge über fünf und mehr Zeitzonen; 0,5–5 mg ähnlich wirksam, über 5 mg kein Zusatznutzen; retardierte Zubereitung vergleichsweise schwach; geringerer Nutzen bei Westflügen; zu frühe Einnahme kann die Anpassung verzögern); CDC Yellow Book, Kapitel „Jet Lag Disorder" (Licht als stärkster Zeitgeber, Empfehlungen nach Richtung und Zahl der Zeitzonen); Bundesinstitut für Risikobewertung, Stellungnahme Nr. 42/2024 zu melatoninhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln.

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