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Vitamin K2

Vitamin K1 und K2: Unterschied bei Herkunft und Aufnahme

Futures Nutrition Redaktion · 11. August 2026

Vitamin K1 und K2: Unterschied bei Herkunft und Aufnahme

Vitamin K1 und K2: Unterschied bei Herkunft und Aufnahme

Kurz gesagt: K1 und K2 sind keine zwei Vitamine, sondern zwei Stoffgruppen desselben Vitamins. Sie tragen denselben Ringbaustein und unterscheiden sich in der Seitenkette — und in der Herkunft: Phyllochinon (K1) bilden Pflanzen für ihre Photosynthese, Menachinone (K2) bilden Bakterien. Für das Etikett zählen beide gleich viel: 75 µg K1 und 75 µg K2 sind jeweils 100 % des Nährstoffbezugswerts. Im Blut verhalten sie sich dagegen sehr verschieden — K1 ist nach ein bis zwei Stunden zur Hälfte wieder verschwunden, MK-7 hält sich tagelang.

Genau darin liegt der praktische Unterschied. Wer über die Ernährung nachdenkt, landet fast automatisch bei K1, weil dort die großen Mengen sitzen. Wer ein Präparat kauft, bekommt fast immer K2 in Form von MK-7. Beides ist begründbar, aber aus verschiedenen Gründen.

Ein Vitamin, zwei Stoffgruppen — und eine dritte, die hier nichts zu suchen hat

„Vitamin K" ist ein Sammelname für Verbindungen mit einem gemeinsamen Naphthochinon-Ring. Was daran hängt, unterscheidet die Formen:

Vitamin K1Vitamin K2Vitamin K3
Chemischer NamePhyllochinon (Phytomenadion)Menachinone, MK-4 bis MK-13Menadion
Seitenketteeine, teilweise gesättigt4 bis 13 Isopren-Einheitenkeine
Herkunftgrüne Pflanzen, ChloroplastenBakterien, tierischer Stoffwechselrein synthetisch
In LebensmittelnBlattgemüse, Kohl, PflanzenöleKäse, Natto, Fleisch, Eigelb
In Präparaten in der EUzugelassenzugelassen (vor allem MK-7)nicht zugelassen

Die letzte Spalte ist keine Feinheit: Anhang II der Richtlinie 2002/46/EG listet für Nahrungsergänzungsmittel genau zwei Vitamin-K-Quellen auf, „Phyllochinon (Phytomenadion)" und „Menachinon (kommt hauptsächlich als Menachinon-7 und, in geringerem Umfang, als Menachinon-6 vor)" — letzteres wurde mit der Verordnung (EG) Nr. 1170/2009 aufgenommen. Menadion steht nicht darauf und darf in Deutschland nur in Futtermitteln eingesetzt werden. Wenn also jemand „Vitamin K3" als dritte Kaufoption anbietet, ist das keine Geschmacksfrage.

Innerhalb der Menachinone bezeichnet die Zahl die Länge der Seitenkette: MK-7 hat sieben Isopren-Einheiten. Warum auf guten Etiketten außerdem „all-trans" steht, ist in Vitamin K2 MK-7 all-trans auseinandergenommen.

Herkunft: Blattgrün gegen Bakterien

Laborhände halten eine Petrischale mit einer Bakterienkultur

Pflanzen bauen Phyllochinon in die Thylakoidmembran ihrer Chloroplasten ein, wo es am Elektronentransport der Photosynthese beteiligt ist. Deshalb gilt die einfache Regel: je grüner das Blatt, desto mehr K1. Grünkohl, Spinat, Mangold und Brokkoli liegen je nach Sorte bei 60 bis 585 µg je 100 g, Raps- und Sojaöl bei 25 bis 60 µg.

Menachinone entstehen dagegen im bakteriellen Stoffwechsel — als Teil der Atmungskette von Bakterien, die keinen Sauerstoff nutzen. In Lebensmitteln finden sie sich folgerichtig dort, wo fermentiert wurde: in gereiftem Käse, in Quark, in Sauerkraut und, mit weitem Abstand an der Spitze, im japanischen Natto. Die gemessenen Werte stehen in Vitamin K2 in Lebensmitteln.

MK-4 ist die Ausnahme von der Regel

Ein Menachinon fällt aus dem Muster: MK-4 stammt nicht in erster Linie von Bakterien. Es entsteht im tierischen und menschlichen Gewebe aus zugeführtem Vitamin K — die Arbeitsgruppe um Nakagawa identifizierte 2010 das Enzym UBIAD1 als den Schritt, der die Seitenkette anhängt (Nature 2010;468:117–121). Im Tierversuch wurde Menadion als Zwischenstufe gefunden: Phyllochinon wird im Darm zerlegt, das Bruchstück gelangt ins Gewebe und wird dort zu MK-4 aufgebaut. Das erklärt auch, warum ausgerechnet Hühnerfleisch relativ viel MK-4 enthält — im Futter steckt Menadion (EFSA Journal 2017;15(5):4780).

Für die Praxis heißt das: Ein Teil des K2 im Körper ist umgebautes K1. Die Grenze zwischen den beiden Formen ist also durchlässiger, als die Trennung in „K1" und „K2" auf der Verpackung nahelegt.

Woher das K2 in der Kapsel kommt

Auch das MK-7 in Präparaten stammt aus derselben Quelle wie das im Essen: Es wird fermentativ gewonnen, mit Bacillus subtilis — dem Bakterium, das auch das Natto macht. Deshalb ist fermentativ hergestelltes K2 pflanzlichen Ursprungs, während MK-4 in Präparaten synthetisch ist und das K1 auf dem Etikett ohnehin. Für vegan lebende Käufer entscheidet sich die Frage damit weniger am K2 als am beigemischten Vitamin D3, das aus Lanolin oder aus Flechten stammen kann — durchgängig pflanzlich ist etwa das Vitamin D3 20.000 I.E. + K2 (MK-7) vegan; die übrigen Zutaten sind in Vitamin D3 + K2 vegan durchgegangen. Der zweite Herstellungsweg, die chemische Synthese, ist der Grund, warum „all-trans" auf manchen Etiketten steht und auf anderen nicht.

Aufnahme: warum aus Spinat so wenig ankommt

Spinat und Pilze werden in einer Pfanne gebraten

Der auffälligste Unterschied betrifft nicht den Gehalt, sondern das, was davon im Blut ankommt. Phyllochinon sitzt in der Pflanze fest in Membranen gebunden, und genau das bremst die Aufnahme. In einem klassischen Versuch mit gesunden Freiwilligen wurde 1 mg Phyllochinon auf drei Wegen gegeben: als pharmazeutische Zubereitung, als gekochter Spinat und als gekochter Spinat mit Butter. Gemessen an der Zubereitung kamen aus dem Spinat rund 4 % an — mit Butter 13 % (Gijsbers, Jie und Vermeer, British Journal of Nutrition 1996;76:223–229).

Zwei Dinge folgen daraus. Erstens sind die hohen K1-Zahlen in Lebensmitteltabellen mit Vorsicht zu lesen: 300 µg im Grünkohl sind nicht 300 µg im Blut. Zweitens ist Fett kein Beiwerk, sondern verdreifacht die Ausbeute — Vitamin K ist fettlöslich, und das gilt für beide Formen.

Ein Vorbehalt gehört dazu, weil die 4 % gern als Argument für K2 zitiert werden: Verglichen wurde Pflanze gegen Präparat, nicht K1 gegen K2. In der weiter unten beschriebenen Untersuchung von Schurgers wurden beide Formen als Reinsubstanz gut aufgenommen. Der Engpass sitzt also in der Matrix, nicht in der Seitenkette. Praktisch fällt er trotzdem meist zulasten von K1 aus, weil die typischen K1-Quellen fettarm gegessen werden und die typischen K2-Quellen — Käse, Eigelb, Fleisch — ihr Fett mitbringen. Wer K1 aus Salat deckt, sollte das Öl im Dressing deshalb nicht weglassen.

Verweildauer: zwei Stunden gegen mehrere Tage

Nimmt man K1 und MK-7 in vergleichbarer Menge, sieht die erste Stunde ähnlich aus und der zweite Tag völlig unterschiedlich. In der Untersuchung von Schurgers und Kollegen wurden beide Formen gut aufgenommen, beide erreichten ihren Spitzenwert im Serum nach vier Stunden. Danach fiel K1 rasch ab, während MK-7 durch seine sehr lange Halbwertszeit stabile Spiegel hielt und sich bei fortgesetzter Einnahme auf das Sieben- bis Achtfache anreicherte. In derselben Arbeit führte MK-7 zu einer vollständigeren Carboxylierung von Osteocalcin, einem Vitamin-K-abhängigen Protein des Knochens (Blood 2007;109:3279–3283).

Phyllochinon (K1)MK-4MK-7
Halbwertszeit im Serumein bis zwei Stundensehr kurzmehrere Tage
Spitzenwert nach Einnahme4 Stunden4 bis 6 Stunden
Anreicherung bei täglicher Gabegeringkeine messbare7- bis 8-fach
Übliche Menge im Präparat80 bis 200 µgselten, dann in mg100 bis 200 µg

Die MK-4-Spalte verdient einen eigenen Satz, weil sie oft übersehen wird: In einer Untersuchung an gesunden Frauen war MK-4 nach einer Einzeldosis von 420 µg bei keiner Teilnehmerin im Serum nachweisbar, und auch 60 µg täglich über eine Woche hoben den Spiegel nicht an. MK-7 dagegen war nach derselben Prozedur bis 48 Stunden nach der Einnahme messbar (Sato und Kollegen, Nutrition Journal 2012;11:93). MK-4 aus Lebensmitteln trägt nach dieser Messung nichts zum Vitamin-K-Status im Blut bei — was nicht heißt, dass es im Gewebe keine Rolle spielt, sondern dass man es dort nicht misst, wo üblicherweise gemessen wird.

Wohin die beiden Formen gehen

Vitamin K ist Cofaktor eines einzigen Enzymschritts: Es macht bestimmte Proteine funktionsfähig, indem eine Carboxylgruppe angehängt wird. Die bekanntesten dieser Proteine sind die Gerinnungsfaktoren in der Leber und Osteocalcin im Knochen.

Die Leber ist das Organ mit der höchsten Vitamin-K-Konzentration — und ihr Speicher besteht zu ungefähr 90 % aus Menachinonen und nur zu rund 10 % aus Phyllochinon, wobei der Phyllochinon-Anteil labil ist und schneller umgesetzt wird (FAO/WHO, Vitamin and mineral requirements in human nutrition, Kapitel 10). Ein großer Teil dieser Menachinone sind langkettige Formen, die Darmbakterien bilden — nicht das MK-7 aus einer Kapsel. Wie viel davon tatsächlich aufgenommen wird, ist offen; die EFSA hat aus genau diesem Grund keinen eigenen Referenzwert für Menachinone abgeleitet.

Was das Etikett aus dem Unterschied macht

Nichts. Und das ist der Punkt, an dem Käufer regelmäßig hängenbleiben: Der Nährstoffbezugswert von 75 µg gilt für Vitamin K insgesamt (Verordnung (EU) Nr. 1169/2011, Anhang XIII). Ob die Menge als K1 oder als K2 vorliegt, ändert an der Prozentangabe nichts. Auch die beiden in der EU zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben (Verordnung (EU) Nr. 432/2012) sprechen von „Vitamin K", nicht von einer Form. Woher die 75 µg kommen und welche Referenzwerte daneben gelten, steht in Vitamin K2 Tagesbedarf.

Warum dann fast nur K2 verkauft wird, hat zwei nüchterne Gründe: die längere Verweildauer im Blut und die Kombination mit Vitamin D, in der K2 seit Jahren angeboten wird. Im Sortiment finden sich beide Wege — reine K2-Präparate in der Kategorie Vitamin K2 und die Kombinationen in Vitamin D3 + K2, etwa das Vitamin D3 4.000 I.E. + K2 200 µg MK-7.

Vitamin D3 4.000 I.E. + K2 200 µg MK-7 – Jahresvorrat, 365 Tabletten

In Deutschland liefert die Ernährung ohnehin überwiegend K1: In der EPIC-Heidelberg-Studie mit 25.540 Teilnehmenden lag die K1-Zufuhr im Median bei 93,6 µg pro Tag, die K2-Zufuhr bei 34,7 µg. Ein K2-Präparat ergänzt also den kleineren der beiden Anteile — nicht, weil der kleinere Anteil ein Mangel wäre, sondern weil er der Teil ist, den die mitteleuropäische Küche kaum liefert.

Wo der Unterschied wirklich zählt: Gerinnungshemmer

Bei Cumarin-Präparaten wie Phenprocoumon oder Warfarin ist Vitamin K der Gegenspieler des Medikaments — und hier verhalten sich K1 und K2 messbar verschieden. Das BfR stützt seinen Vorschlag für Höchstmengen in Nahrungsergänzungsmitteln auf Studien, in denen ein statistisch messbarer INR-Abfall bei Vitamin K1 ab 150 µg pro Tag auftrat, bei Vitamin K2 aber bereits ab 45 µg. K2 wirkte damit rund 3,5-mal stärker; daraus wurden die Vorschläge von 80 µg K1 und 25 µg K2 je Tagesportion abgeleitet. Die Arbeitsgruppe um Schurgers formulierte es 2007 ähnlich deutlich: Präparate mit 50 µg MK-7 pro Tag und mehr können eine orale Antikoagulation in klinisch relevantem Ausmaß beeinflussen.

Wer solche Medikamente nimmt, klärt die Einnahme deshalb ärztlich ab — und zwar unabhängig davon, welche Form auf der Dose steht. Entscheidend ist dabei weniger die Höhe als die Konstanz der Zufuhr. Welche Mengen sonst im Raum stehen, ist in Vitamin K2 Überdosierung zusammengetragen; welche weiteren Medikamente und Nährstoffe im Gespräch sind, steht in Vitamin K2 Wechselwirkungen.

Was über Vitamin K gesagt werden darf

Zugelassen sind in der EU zwei Angaben (Verordnung (EU) Nr. 432/2012), und sie gelten für Vitamin K als Nährstoff — für K1 wie für K2:

  • Vitamin K trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei.
  • Vitamin K trägt zu einer normalen Blutgerinnung bei.

Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise.

Häufige Fragen

Ist K2 besser als K1? Für den Vitamin-K-Status im Blut ist MK-7 die stabilere Form, weil es länger zirkuliert und sich anreichert. „Besser" im Sinne von wirksamer für alle Zwecke lässt sich daraus nicht ableiten: Die zugelassenen Angaben gelten für beide Formen gleichermaßen, und die Gerinnungsfunktion deckt die K1-Zufuhr aus grünem Gemüse in aller Regel ab.

Kann der Körper K1 in K2 umwandeln? In begrenztem Umfang ja — allerdings nur in MK-4, nicht in MK-7. Der Weg läuft über Menadion als Zwischenstufe und das Enzym UBIAD1. Wie viel dabei zusammenkommt, ist beim Menschen nicht sauber beziffert.

Brauche ich beides? Wer regelmäßig grünes Gemüse isst, nimmt K1 in Mengen auf, die über allen Referenzwerten liegen. Ein zusätzliches K1-Präparat ist damit die seltenere Frage. K2 wird meist ergänzt, weil es in der Kombination mit Vitamin D angeboten wird, nicht weil eine gemessene Lücke geschlossen würde.

Steht auf der Dose, welche Form drin ist? Bei ordentlicher Deklaration ja: „Vitamin K2 (Menachinon-7)" oder „Vitamin K1 (Phyllochinon)". Steht nur „Vitamin K" ohne Zusatz, fehlt die entscheidende Information — und bei MK-7 zusätzlich die Angabe „all-trans", die sagt, wie viel davon überhaupt aktiv ist.