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Chrom

Chrom-Tagesbedarf: 40 µg Etikett, 30–100 µg Schätzwert

Futures Nutrition Redaktion · 13. August 2026

Chrom-Tagesbedarf: 40 µg Etikett, 30–100 µg Schätzwert

Chrom-Tagesbedarf: 40 µg Etikett, 30–100 µg Schätzwert

  1. August 2026

Die kurze Antwort: Einen gesicherten Tagesbedarf für Chrom gibt es nicht. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt für Jugendliche ab 15 Jahren und Erwachsene einen Schätzwert von 30 bis 100 µg pro Tag, die 40 µg auf der Packung sind etwas anderes — ein Kennzeichnungswert. Und die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat 2014 ausdrücklich darauf verzichtet, überhaupt einen Referenzwert festzulegen.

Das klingt nach einer Ausflucht, ist aber die ehrlichste Auskunft, die sich zu diesem Spurenelement geben lässt — und sie erklärt, warum die Prozentangaben auf Chrom-Präparaten so verwirrend aussehen. Wer die drei Zahlen auseinanderhält, kann eine Packung in einer halben Minute einordnen.

Vier Zahlen, die nicht dasselbe meinen

WertMenge je TagWas er aussagtHerkunft
Nährstoffbezugswert (NRV)40 µgRechengröße für die Prozentangabe auf dem EtikettVerordnung (EU) Nr. 1169/2011, Anhang XIII
Schätzwert für eine angemessene Zufuhr30–100 µgOrientierungsbereich für Jugendliche ab 15 Jahren und ErwachseneD-A-CH / Deutsche Gesellschaft für Ernährung (Ableitung von 2000)
Average Requirement / PRInicht abgeleitet: die Datenlage gibt keinen Bedarf herEFSA (2014)
Orientierungswert für zusätzliche Zufuhr250 µgMenge aus Präparaten und angereicherten Lebensmitteln, bei der keine gesundheitlichen Bedenken bestehenEFSA (2010), entspricht dem WHO-Wert
Höchstmengenvorschlag für Nahrungsergänzungsmittel60 µgEmpfehlung an den Gesetzgeber, je TagesverzehrempfehlungBundesinstitut für Risikobewertung (BfR), 2021

Die dritte Zeile ist der eigentliche Kern. Bei Calcium oder Eisen steht dort eine Zahl, die aus Bilanzstudien stammt; bei Chrom steht dort nichts, und zwar begründet.

Warum die EFSA keinen Referenzwert festgelegt hat

Das zuständige EFSA-Gremium hat 2014 die Datenlage zu Chrom durchgesehen und ist zu einem ungewöhnlich klaren Ergebnis gekommen: Weder ein durchschnittlicher Bedarf (Average Requirement) noch eine Zufuhrempfehlung (Population Reference Intake) lassen sich ableiten, und auch die Festlegung eines Schätzwerts (Adequate Intake) hielt das Gremium nicht für angemessen.

Der Grund ist nicht, dass zu wenig geforscht wurde, sondern dass die Befunde nicht zusammenpassen. Hinweise auf eine Notwendigkeit von Chrom stammen im Wesentlichen aus Fällen langfristiger künstlicher Ernährung über die Vene, in denen Chrom fehlte und ergänzt wurde. Für gesunde Menschen mit normalem Blutzucker fand die EFSA dagegen keine überzeugende Evidenz für einen positiven Effekt einer zusätzlichen Chromzufuhr — und ohne messbaren Effekt lässt sich kein Bedarf berechnen.

Die deutschen, österreichischen und schweizerischen Fachgesellschaften halten trotzdem an einem Schätzwert fest. Er beruht auf einer Ableitung aus dem Jahr 2000 und beschreibt einen Bereich, der als angemessen gilt, keinen Bedarf im engeren Sinn:

AltersgruppeSchätzwert (µg/Tag)
0 bis unter 4 Monate1–10
4 bis unter 12 Monate20–40
1 bis unter 4 Jahre20–60
4 bis unter 7 Jahre20–80
7 bis unter 15 Jahre20–100
ab 15 Jahren und Erwachsene30–100

Auffällig ist die Spannweite. Ein Bereich von 30 bis 100 µg bedeutet, dass der obere Wert mehr als das Dreifache des unteren ist — bei Calcium oder Vitamin D wäre eine solche Angabe undenkbar. Sie ist die ehrliche Abbildung der Unsicherheit.

Was 40 µg auf der Packung bedeuten

Der Nährstoffbezugswert ist eine Rechengröße der Lebensmittelinformationsverordnung und keine Empfehlung. Er sorgt dafür, dass „60 µg Chrom" europaweit als „150 % NRV" ausgedrückt wird und Angaben vergleichbar bleiben.

Daran hängt eine zweite, praktische Regel: Ein Nährstoff darf auf einer Packung überhaupt erst genannt und mit einer zugelassenen Aussage verbunden werden, wenn eine signifikante Menge enthalten ist — 15 % des Nährstoffbezugswerts, bei Nahrungsergänzungsmitteln bezogen auf die empfohlene Tagesportion. Für Chrom sind das 6 µg je Tagesportion. Das ist eine niedrige Schwelle; sie erklärt, warum Chrom in vielen Kombipräparaten mit zweistelligen Mikrogramm-Mengen auftaucht, ohne dass es dort das Hauptthema wäre.

Umgekehrt heißt das: Eine hohe Prozentzahl auf der Vorderseite sagt bei Chrom weniger aus als bei anderen Nährstoffen, weil der Bezugswert mit 40 µg sehr niedrig liegt. 200 µg sind rechnerisch 500 % NRV — und liegen trotzdem unter dem, was die EFSA als zusätzliche Tageszufuhr für unbedenklich hält.

Was die Ernährung beisteuert

Vier Rispentomaten auf einem dunklen Holzbrett

Chrom steckt in vielen alltäglichen Lebensmitteln, aber selten in großen Mengen an einer Stelle. Die DGE nennt als Quellen Fleisch, Eier, Haferflocken und Tomaten — also nichts Exotisches. Eine belastbare Nährwerttabelle für Chrom führt sie nicht, und das hat einen Grund: Die Gehalte schwanken je nach Boden, Verarbeitung und Analysemethode stark, weshalb Einzelwerte aus Lebensmitteltabellen mit Vorsicht zu lesen sind.

Aussagekräftiger sind Messungen der tatsächlichen Zufuhr. In deutschen Duplikatstudien — dabei wird eine zweite, identische Portion jeder Mahlzeit analysiert — lag die mittlere Chromaufnahme über die Nahrung bei 61 ± 31 µg pro Tag bei Frauen und 84 ± 55 µg pro Tag bei Männern. Beide Werte liegen im Schätzwertbereich von 30 bis 100 µg, und der Männerwert nähert sich dessen Obergrenze.

Für Kinder und Jugendliche hat das EFSA-Gremium für Kontaminanten Daten aus 17 Mitgliedstaaten ausgewertet. Bei den 4- bis 17-Jährigen lagen die mittleren Aufnahmen je nach Alter zwischen 54 und 83 µg pro Tag, die 95. Perzentile zwischen 93 und 141 µg. Auch hier gilt: Die üblichen Mahlzeiten liefern die Größenordnung, um die es geht.

Wer also nach einer Lücke sucht, findet bei Chrom — anders als bei Vitamin D im Winter oder bei Eisen in bestimmten Lebensphasen — keine breite Unterversorgung, die in Verzehrsdaten sichtbar wäre. Die Nationale Verzehrsstudie II hat Chrom gar nicht erst erhoben.

Wie viel gehört in ein Präparat?

Hier wird es für die Kaufentscheidung konkret, und hier stehen zwei Zahlen nebeneinander, die man kennen sollte.

Der frühere Wissenschaftliche Lebensmittelausschuss der EU-Kommission konnte 2003 mangels Daten keine tolerierbare Gesamtzufuhrmenge (UL) für Chrom ableiten. Die EFSA hat 2010 stattdessen einen Orientierungswert benannt: Dreiwertiges Chrom, das Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln als Nährstoff zugesetzt wird, ist unbedenklich, solange die Aufnahme aus diesen Quellen 250 µg pro Tag nicht überschreitet. Für Chrompicolinat als Chromquelle kam die Behörde im selben Jahr zum selben Ergebnis.

Das BfR rechnet von diesem Orientierungswert aus weiter und kommt zu einer deutlich engeren Empfehlung: Es teilt die 250 µg zur Hälfte auf Nahrungsergänzungsmittel und angereicherte Lebensmittel auf und zieht für Präparate einen Unsicherheitsfaktor von 2 ab, weil mehrere chromhaltige Produkte nebeneinander eingenommen werden können. Ergebnis: 60 µg je Tagesverzehrempfehlung. Für angereicherte Lebensmittel schlägt das Institut 15 µg je 100 g und 4 µg je 100 ml bei Getränken vor.

Wichtig für die Einordnung: Diese Höchstmengenvorschläge sind Empfehlungen an den Gesetzgeber, kein geltendes Recht. Verbindliche europäische Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln sieht die Richtlinie 2002/46/EG zwar vor, festgelegt sind sie bis heute nicht. Im Handel finden sich deshalb Präparate über wie unter dem BfR-Vorschlag. Wie die beiden Zahlen zustande kommen und wo tatsächlich eine Grenze liegt, ist in Zu viel Chrom ausgerechnet.

Unser Chrom 200 µg gehört zur ersten Gruppe: eine Tablette täglich mit 200 µg Chrom als Chrompicolinat, das entspricht 500 % des Nährstoffbezugswerts. Die Menge liegt über dem BfR-Vorschlag von 60 µg und unter dem EFSA-Orientierungswert von 250 µg für die zusätzliche Zufuhr. Wer daneben ein Kombipräparat mit Chrom einnimmt, sollte die Etiketten zusammenrechnen — der Orientierungswert bezieht sich auf die Summe aller Präparate und angereicherten Lebensmittel.

Chrom 200 µg von Futures Nutrition – 180 Tabletten

Chrompicolinat ist eine organische Verbindung aus Chrom und Picolinsäure; sie steht in Anhang II der Richtlinie 2002/46/EG und darf damit in Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzt werden. Gemeint ist dabei immer dreiwertiges Chrom, Chrom(III) — nicht das sechswertige Chrom(VI) aus industriellen Zusammenhängen, das die EFSA getrennt als unerwünschten Stoff in Lebensmitteln und Trinkwasser bewertet hat. Wie sich Chrom neben den übrigen Spurenelementen einordnet, zeigt die Übersicht in der Kategorie Mineralien; alle Chrom-Produkte stehen in der Kategorie Chrom. Worauf beim Vergleich zweier Packungen sonst noch zu achten ist — Menge je Tablette, Verbindung, Kombipräparate —, steht in der Kaufberatung.

Was auf einer Chrom-Packung stehen darf

Zwei Aussagen sind für Chrom zugelassen, und zwar in genau diesem Wortlaut: Chrom trägt zu einem normalen Stoffwechsel von Makronährstoffen bei. Chrom trägt zur Aufrechterhaltung eines normalen Blutzuckerspiegels bei. (Verordnung (EU) Nr. 432/2012). Beide setzen voraus, dass das Produkt die signifikante Menge von 6 µg je Tagesportion erreicht. Alles darüber hinaus — etwa Aussagen zum Appetit oder zum Körpergewicht — ist nicht zugelassen. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise.

Häufige Fragen

Wie viel Chrom brauche ich am Tag? Ein gesicherter Bedarf existiert nicht. Als Orientierung gilt in Deutschland der Schätzwert von 30 bis 100 µg für Jugendliche ab 15 Jahren und Erwachsene. Die EFSA hat 2014 bewusst keinen Referenzwert festgelegt, weil die Datenlage keinen hergibt.

Warum stehen auf Präparaten 500 % NRV? Weil der Nährstoffbezugswert mit 40 µg sehr niedrig ist. 200 µg sind rechnerisch das Fünffache davon und liegen trotzdem unter dem Orientierungswert von 250 µg, den die EFSA für die zusätzliche Tageszufuhr genannt hat. Die Prozentzahl beschreibt das Verhältnis zu einem Kennzeichnungswert, nicht zum Bedarf.

Bekomme ich über normales Essen genug Chrom? Nach den vorliegenden Messungen liegt die durchschnittliche Zufuhr in Deutschland mit 61 µg (Frauen) und 84 µg (Männer) im Schätzwertbereich. Eine breite Unterversorgung ist in den Daten nicht erkennbar — Chrom wurde in der Nationalen Verzehrsstudie II nicht einmal erfasst.

Ist das Chrom in Präparaten dasselbe wie Chrom in der Industrie? Nein. In Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln wird dreiwertiges Chrom(III) eingesetzt, etwa als Chrompicolinat. Sechswertiges Chrom(VI) ist eine andere Verbindungsklasse, die in Lebensmitteln und Trinkwasser als unerwünschter Stoff bewertet wird und in Präparaten nichts zu suchen hat.


Quellen: Verordnung (EU) Nr. 1169/2011, Anhang XIII (Nährstoffbezugswert Chrom: 40 µg; signifikante Menge 15 %); Verordnung (EU) Nr. 432/2012 (Liste der zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben, amtlicher Wortlaut); Richtlinie 2002/46/EG, Anhang II, ergänzt durch Verordnung (EG) Nr. 1170/2009 (Chrompicolinat als zulässige Chromquelle); Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr — Kupfer, Mangan, Chrom, Molybdän (Schätzwerte, Ableitung 2000); EFSA NDA Panel, Scientific Opinion on Dietary Reference Values for chromium, EFSA Journal 2014;12(10):3845 (kein AR, keine PRI, kein AI); EFSA ANS Panel, Scientific Opinion on the safety of trivalent chromium as a nutrient added … EFSA Journal 2010;8(12):1882 sowie zur Sicherheit von Chrompicolinat, EFSA Journal 2010 (250 µg/Tag als Orientierungswert für die zusätzliche Zufuhr, entsprechend dem WHO-Wert); SCF (2003), Opinion on the Tolerable Upper Intake Level of Chromium (kein UL ableitbar); Bundesinstitut für Risikobewertung, Höchstmengenvorschläge für Chrom in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln (2021): 60 µg je Tagesverzehrempfehlung, 15 µg/100 g, 4 µg/100 ml, dort auch die Zufuhrdaten aus Duplikatstudien (Anke et al. 1998, zit. in D-A-CH) und die Kinderdaten des EFSA CONTAM Panels (EFSA Journal 2014;12(3):3595); Zusammensetzung und Verzehrempfehlung laut Etikett des genannten Produkts.