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Weissdorn

Weißdorn und Magnesium: warum die Kombination?

Futures Nutrition Redaktion · 14. August 2026

Weißdorn und Magnesium: warum die Kombination?

Weißdorn und Magnesium: warum die Kombination?

Auf sehr vielen Weißdorn-Packungen steht ein Mineralstoff daneben, meistens Magnesium. Der naheliegende Gedanke — die beiden ergänzen sich, das eine verstärkt das andere — ist der falsche. Der Grund ist ein rechtlicher: Für Weißdorn gibt es in der EU keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe, für Magnesium zehn. Ohne den Mineralstoff dürfte auf einer solchen Dose buchstäblich nichts stehen außer der Zutatenliste.

Und die Menge ist ebenfalls kein Zufall. In unserem Weißdorn + Magnesium sind es 56,25 mg Magnesium je Tablette. Das sind exakt 15 % der Nährstoffbezugsmenge — genau die Schwelle, ab der eine zugelassene Angabe überhaupt verwendet werden darf. Wer das einmal gerechnet hat, liest jede Kombipackung anders.

Zwei Zutaten, zwei Rechtsrahmen

Weißdorn ist ein Pflanzenauszug. Anträge auf gesundheitsbezogene Angaben zu Pflanzenstoffen liegen seit Jahren unbearbeitet auf Eis („on hold"), und für Crataegus ist keine Angabe nach der Health-Claims-Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 zugelassen. Ein Nahrungsergänzungsmittel darf über die Pflanze deshalb nur beschreiben: welche Art, welcher Pflanzenteil, welches Extraktverhältnis, wie viel. Welche Art und welcher Pflanzenteil das im Einzelfall sind — und warum das mehr Unterschied macht als die Milligrammzahl — steht in Weißdorn: Pflanze, Blätter mit Blüten, Herkunft.

Magnesium ist dagegen ein Nährstoff mit fertigem Regelwerk. Die Verordnung (EU) Nr. 432/2012 führt zehn zugelassene Angaben, darunter wörtlich:

  • Magnesium trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei.
  • Magnesium trägt zu einer normalen Muskelfunktion bei.
  • Magnesium trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei.
  • Magnesium trägt zum Elektrolytgleichgewicht bei.
  • Magnesium trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel bei.
  • Magnesium trägt zur Erhaltung normaler Knochen und Zähne bei.

Diese Sätze gelten dem Magnesium, nicht dem Weißdorn. Genau das ist die Stelle, an der die Kombination missverstanden wird: Der Leser sieht einen zugelassenen Satz auf einer Weißdorn-Packung und rechnet ihn der Pflanze zu. Nach Artikel 10 der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 muss eine Angabe sich auf den Nährstoff beziehen, für den sie zugelassen ist — der Satz gehört dem Magnesium, auch wenn er auf einer Dose steht, deren Name mit „Weißdorn" beginnt.

56,25 mg sind keine Zufallszahl

Die Zahl entsteht aus drei Vorschriften, die ineinandergreifen:

  1. Die Nährstoffbezugsmenge. Anhang XIII Teil A Nummer 1 der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 setzt für Magnesium einen EU-weit einheitlichen Bezugswert von 375 mg fest. Das ist der Wert, auf den sich jede Prozentangabe auf einer Packung bezieht.
  2. Die signifikante Menge. Nummer 2 desselben Anhangs nennt 15 % dieses Bezugswerts als signifikante Menge. Erst ab dieser Schwelle gilt ein Lebensmittel als „Quelle für" einen Mineralstoff.
  3. Der Bezug auf die Tagesportion. Nach § 4 Absatz 3 der Nahrungsergänzungsmittelverordnung werden Nährstoffmengen und Prozentangaben auf die auf dem Etikett angegebene tägliche Verzehrsmenge bezogen — bei diesem Produkt auf eine Tablette täglich.

Warum das zusammen die Schwelle ergibt, steht in Artikel 5 Absatz 1 Buchstabe b der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006: Eine Angabe ist nur zulässig, wenn der Nährstoff im Endprodukt in einer signifikanten Menge vorhanden ist. Und jede einzelne der zehn Magnesium-Angaben in der Verordnung (EU) Nr. 432/2012 trägt denselben Zusatz in der Spalte „Bedingungen für die Verwendung": Die Angabe darf nur für Lebensmittel verwendet werden, die die Mindestanforderungen an eine Magnesiumquelle erfüllen.

GrößeWertWoher
Nährstoffbezugsmenge Magnesium375 mgVO (EU) Nr. 1169/2011, Anhang XIII Teil A Nr. 1
Signifikante Menge15 % davonVO (EU) Nr. 1169/2011, Anhang XIII Teil A Nr. 2
Daraus: Mindestmenge je Tagesportion56,25 mg375 mg × 0,15
Magnesium in unserer Tablette56,25 mg (15 % NRV)Produktdeklaration

Die Rechnung geht also punktgenau auf. Das ist kein Vorwurf an das Produkt — es ist die Erklärung dafür, warum in Kombipräparaten mit Pflanzenauszügen so oft ausgerechnet 15 % eines Nährstoffs stehen und nicht 40 oder 100 %. Der Nährstoff ist dort, damit die Packung sprechen darf.

15 % NRV sind ein Etikettenwert, keine Versorgung

Die zweite Hälfte des Missverständnisses folgt sofort danach: Wer glaubt, mit einer solchen Tablette sei die Magnesiumversorgung erledigt, hat sich um den Faktor sechs verschätzt.

Angeschnittenes Vollkornbrot mit Saatenkruste auf einem Holzbrett

Die D-A-CH-Referenzwerte, herausgegeben unter anderem von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), nennen für Erwachsene Schätzwerte von 350 mg (Männer) und 300 mg (Frauen) pro Tag — bezogen auf die gesamte Zufuhr aus Essen und Trinken. Nach der Nationalen Verzehrsstudie II liegt die tatsächliche Zufuhr in Deutschland im Mittel bei rund 345 mg (Männer) und 284 mg (Frauen). Die 56,25 mg sind vor diesem Hintergrund ein kleiner Zuschlag, kein Ersatz für Vollkorn, Hülsenfrüchte, Nüsse und Mineralwasser. Welche Zahl wofür gilt, ist in Magnesium-Tagesbedarf: 375 mg, 350 mg oder 250 mg? aufgedröselt.

Der Vorteil dieser kleinen Menge liegt auf der anderen Seite: Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schlägt für Magnesium aus Nahrungsergänzungsmitteln eine Tageshöchstmenge von 250 mg vor, verteilt auf mindestens zwei Einnahmen — der maßgebliche Effekt darüber ist osmotisch bedingter Durchfall. Mit 56,25 mg bleibt reichlich Abstand, auch wenn daneben noch ein Magnesiumpräparat steht. Wo diese Grenze herkommt, steht in Zu viel Magnesium: die 250-mg-Grenze richtig lesen.

Wer umgekehrt gezielt Magnesium sucht und nicht den Pflanzenauszug, ist mit einem reinen Magnesiumprodukt besser bedient: Unser Magnesiumbisglycinat 150 mg liefert 150 mg elementares Magnesium je Tablette, also 40 % der Nährstoffbezugsmenge; die übrigen Verbindungen stehen in der Kategorie Magnesium. Beides zusammen zu kaufen, ergibt nur Sinn, wenn man beide Zutaten wirklich will.

Warum ausgerechnet Magnesiumoxid

In der Zutatenliste unseres Präparats steht Magnesiumoxid — und dafür gibt es einen platztechnischen Grund. Magnesiumoxid hat mit rund 60 % den höchsten Elementaranteil aller gängigen Verbindungen. Für 56,25 mg elementares Magnesium braucht es also rechnerisch etwa 93 mg Magnesiumoxid; dieselbe Menge aus Bisglycinat (rund 14 % Elementaranteil) würde etwa 400 mg Rohstoff bedeuten und die Tablette sprengen, in der ja auch noch der Extrakt sitzen soll. Wie sich die Formen sonst unterscheiden, steht in Magnesiumformen im Vergleich.

Ein Detail derselben Zutatenliste stiftet regelmäßig Verwirrung: Als Trennmittel sind Magnesiumsalze von Speisefettsäuren aufgeführt. Das ist ein technologischer Zusatzstoff im Milligrammbereich, keine zweite Magnesiumquelle — für die deklarierten 56,25 mg spielt er keine Rolle. Wer die Zutatenliste überfliegt und zweimal „Magnesium" liest, sollte deshalb nicht zweimal rechnen.

Was auf dem Etikett tatsächlich steht

Getrocknete Blüten und Blätter in einem weißen Mörser mit Pistill

Die zweite Zutat ist ein Weißdornbeeren-Extrakt aus Crataegus pinnatifida im Verhältnis 20:1, entsprechend 600 mg reinem Weißdornbeerenpulver. Aus dem Verhältnis folgt die Menge, die tatsächlich in der Tablette liegt: 600 geteilt durch 20 sind 30 mg Extrakt. Beide Angaben beschreiben dasselbe, und beide gehören zusammen gelesen — eine Zahl allein sagt nichts. Ein „600 mg"-Aufdruck auf der Vorderseite meint hier nicht 600 mg Pulver in der Tablette, sondern die Ausgangsmenge, aus der die 30 mg gewonnen wurden.

Weißdorn plus Magnesium – 180 Tabletten

Zusammengerechnet tragen die beiden wirksamkeitsrelevanten Zutaten rund 123 mg zum Tablettengewicht bei; der Rest ist Füllstoff (Cellulose) und das erwähnte Trennmittel. Auch das ist normal und kein Mangel — eine Tablette muss pressbar sein.

Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Weitere Präparate mit diesem Pflanzenauszug stehen in der Kategorie Weißdorn.

Häufige Fragen

Verstärkt Magnesium die Wirkung des Weißdorns? Dafür gibt es keine Belege, und die Kombination ist auch nicht so begründet. Die beiden Zutaten stehen nebeneinander, nicht miteinander: Der Extrakt ist der namensgebende Bestandteil, das Magnesium ist der Nährstoff, für den zugelassene Angaben existieren. Eine Wechselwirkung zwischen beiden wird von keiner der zugelassenen Angaben behauptet.

Warum stehen auf der Packung Sätze über Muskeln und Nervensystem, wenn es um Weißdorn geht? Weil diese Sätze dem Magnesium gelten. Sie sind in der Verordnung (EU) Nr. 432/2012 zugelassen und an die Bedingung geknüpft, dass das Produkt eine Magnesiumquelle ist. Auf den Pflanzenauszug lassen sie sich nicht übertragen.

Reichen 56,25 mg Magnesium für den Tag? Nein, und dafür sind sie auch nicht gedacht. Sie entsprechen 15 % der Nährstoffbezugsmenge von 375 mg. Der Schätzwert der D-A-CH-Referenzwerte für Erwachsene liegt bei 300 bis 350 mg aus allen Quellen zusammen — den größten Teil davon liefert die Ernährung.

Kann ich das Präparat mit einem Magnesiumprodukt zusammen nehmen? Rechnerisch kommen 56,25 mg zu dem hinzu, was das andere Produkt liefert. Als Orientierung dient die BfR-Höchstmenge von 250 mg Magnesium pro Tag aus Nahrungsergänzungsmitteln; wer sie einhalten möchte, zählt beide Portionen zusammen. Bei eingeschränkter Nierenfunktion oder Dauermedikation gehört diese Frage in ärztliche Hand.

Quellen: Verordnung (EG) Nr. 1924/2006, Artikel 5 Absatz 1 Buchstabe b, Artikel 10 und Anhang (Angabe „Vitaminquelle und/oder Mineralstoffquelle") · Verordnung (EU) Nr. 432/2012, Liste der zugelassenen Angaben (Magnesium, zehn Einträge mit der Bedingung „Mindestanforderungen an eine Magnesiumquelle") · Verordnung (EU) Nr. 1169/2011, Anhang XIII Teil A Nummern 1 und 2 (Nährstoffbezugsmenge Magnesium 375 mg; signifikante Menge 15 %) · Nahrungsergänzungsmittelverordnung (NemV) § 4 Absatz 3 · D-A-CH-Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, Magnesium (Überarbeitung 2021), DGE · Nationale Verzehrsstudie II · Bundesinstitut für Risikobewertung, Höchstmengenvorschlag für Magnesium in Nahrungsergänzungsmitteln (250 mg/Tag, 2017) · Produktdeklaration Weißdorn + Magnesium, 180 Tabletten.