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Zink
Zinkformen im Vergleich: was auf dem Etikett zählt
Futures Nutrition Redaktion · 12. August 2026

Zinkformen im Vergleich: was auf dem Etikett zählt
Die gute Nachricht zuerst: Bei Zink ist der Vergleich zweier Packungen einfacher, als das Formen-Karussell vermuten lässt. In der Nährwerttabelle eines Nahrungsergänzungsmittels steht die Menge elementares Zink — nicht die Menge der Verbindung, aus der es stammt. „Zink 10 mg" bedeutet deshalb bei Gluconat dasselbe wie bei Bisglycinat oder Oxid.
Schief geht es überall dort, wo stattdessen die Verbindung gewogen wird: im Produktnamen, in der Zutatenliste, in Werbetexten. „Zinkgluconat 50 mg" klingt nach fünfmal so viel wie „Zink 10 mg" — tatsächlich stecken darin rund 7 mg Zink. Der Anteil des Elements an der Verbindung reicht von etwa 14 Prozent (Gluconat) bis rund 80 Prozent (Oxid). Wer diese eine Unterscheidung beherrscht, hat den wichtigsten Teil der Formenfrage erledigt.
Was auf dem Etikett stehen muss

Die Nahrungsergänzungsmittelverordnung schreibt vor, dass die Mengen der Nährstoffe bezogen auf die auf dem Etikett angegebene tägliche Verzehrsmenge anzugeben sind (NemV § 4 Absatz 3), zusammen mit dem Prozentsatz der Nährstoffbezugswerte. Welche Nährstoffe das sind und in welcher Einheit, regelt Anhang I der Richtlinie 2002/46/EG — dort steht schlicht „Zink (mg)". Gemeint ist das Element.
Der Bezugswert dazu liegt bei 10 mg Zink pro Tag (Verordnung (EU) Nr. 1169/2011, Anhang XIII). Eine Tablette mit 25 mg Zink deklariert deshalb 250 % NRV — unabhängig davon, wie viel Milligramm Pulver in ihr stecken.
Drei Zahlen, die auf derselben Packung stehen können und drei verschiedene Dinge bedeuten:
| Angabe | Was gemeint ist | Taugt zum Vergleich? |
|---|---|---|
| „Zink 25 mg" in der Nährwerttabelle | Menge des Elements je Tagesdosis | ja — das ist die Zahl |
| „Zinkgluconat" in der Zutatenliste | die eingesetzte Verbindung | nein — sagt nichts über die Menge |
| „175 mg Zinkgluconat" im Werbetext | Gewicht der Verbindung | nur nach Umrechnung |
Wie viel Zink in welcher Verbindung steckt

Der Zinkanteil ergibt sich aus den Molmassen: Zink wiegt 65,4, der Rest der Verbindung wiegt mit. Je größer das angehängte Molekül, desto kleiner der Anteil des Elements.
| Verbindung | rechnerischer Zinkanteil | für 25 mg Zink nötig |
|---|---|---|
| Zinkoxid | rund 80 % | 31 mg |
| Zinkcarbonat | rund 52 % | 48 mg |
| Zinksulfat (wasserfrei) | rund 41 % | 62 mg |
| Zinkacetat | rund 36 % | 70 mg |
| Zinkcitrat (Trizinkdicitrat) | rund 34 % | 73 mg |
| Zinkbisglycinat | rund 31 % | 82 mg |
| Zinklactat | rund 27 % | 93 mg |
| Zinkpicolinat | rund 21 % | 118 mg |
| Zinkgluconat | rund 14 % | 175 mg |
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens gelten die Werte für die wasserfreie Verbindung; Formen mit Kristallwasser — etwa Zinksulfat-Monohydrat oder -Heptahydrat — liegen darunter, beim Heptahydrat bei rund 23 Prozent. Zweitens verkaufen manche Hersteller sogenannte Chelate mit einem eigens angegebenen Zinkgehalt, der unter dem rechnerischen Wert liegen kann. In beiden Fällen gilt die Zahl auf dem Etikett, nicht die aus der Tabelle.
Praktisch erklärt der Anteil vor allem die Tablettengröße: Für 25 mg Zink aus Gluconat müssen 175 mg Rohstoff untergebracht werden, aus Oxid nur 31 mg. Deshalb steckt in kleinen Kombipräparaten und Multivitaminen häufig Oxid, in reinen Zinkpräparaten dagegen oft Gluconat oder Citrat.
Welche Verbindungen überhaupt erlaubt sind
Die Auswahl ist nicht frei. Für Nahrungsergänzungsmittel dürfen nur die Mineralstoffverbindungen verwendet werden, die in Anhang II der Richtlinie 2002/46/EG aufgeführt sind (Artikel 4 Absatz 1). Für Zink sind das sechzehn Verbindungen:
Zinkacetat, Zink-L-ascorbat, Zink-L-aspartat, Zinkbisglycinat, Zinkchlorid, Zinkcitrat, Zinkgluconat, Zinklactat, Zink-L-lysinat, Zinkmalat, Zink-mono-L-methioninsulfat, Zinkoxid, Zinkcarbonat, Zink-L-pidolat, Zinkpicolinat und Zinksulfat.
Bemerkenswert daran ist, was fehlt. Zinkorotat und Zinkhistidin werden in Foren regelmäßig empfohlen, stehen aber nicht auf der Liste und dürfen in Nahrungsergänzungsmitteln in der EU nicht eingesetzt werden. Umgekehrt ist Zinkpicolinat — anders als oft behauptet — ausdrücklich zugelassen. Die Liste sagt allerdings nur, was verwendet werden darf; über die Aufnahme sagt sie nichts.
Aufnahme: was tatsächlich gemessen wurde
Zur Bioverfügbarkeit gibt es weniger Daten, als die Werbung nahelegt — und die belastbarsten stammen aus Isotopenstudien.
Die Arbeitsgruppe um Wegmüller an der ETH Zürich hat 15 gesunden Erwachsenen Präparate mit je 10 mg Zink nüchtern gegeben und die Aufnahme mit der Doppelisotopenmethode gemessen (The Journal of Nutrition 2014;144(2):132–136, PubMed 24259556). Das Ergebnis:
| Verbindung | aufgenommener Anteil (Median) |
|---|---|
| Zinkcitrat | 61,3 % |
| Zinkgluconat | 60,9 % |
| Zinkoxid | 49,9 % |
Citrat und Gluconat unterschieden sich nicht voneinander; Oxid lag signifikant darunter, und drei der fünfzehn Teilnehmer nahmen daraus praktisch kein Zink auf. Das ist der eigentliche Punkt gegen Oxid: nicht der Mittelwert, sondern die Streuung.
Für Zinkpicolinat gibt es diese Art Messung nicht. Der Ruf der Form geht auf eine Untersuchung von 1987 zurück, in der 15 Freiwillige vier Wochen lang je 50 mg Zink als Picolinat, Citrat oder Gluconat erhielten; Zink in Haaren, Urin und roten Blutkörperchen stieg nur in der Picolinat-Phase signifikant an (Agents and Actions 1987;21(1–2):223–228, PubMed 3630857). Eine einzelne, kleine, fast vierzig Jahre alte Studie mit indirekten Messgrößen — mehr trägt die Aussage „am besten aufgenommen" bislang nicht.
Wichtiger als die Wahl zwischen zwei gut löslichen Verbindungen ist ohnehin die Begleitung: Gemessen wurde nüchtern. Mit einer Mahlzeit sinkt die Aufnahme, und Phytate aus Vollkorn, Hülsenfrüchten und Nüssen bremsen sie deutlich — so deutlich, dass die Zufuhrempfehlungen der D-A-CH-Gesellschaften und der EFSA nach der täglichen Phytatzufuhr gestaffelt sind: für Erwachsene zwischen 7 und 16 mg Zink pro Tag.
Bezugswerte, Obergrenzen und was dazwischen liegt
Alle folgenden Zahlen beziehen sich auf elementares Zink — das ist der Grund, warum die Umrechnung oben überhaupt wichtig ist.
| Wert | Menge | Quelle |
|---|---|---|
| Nährstoffbezugswert (NRV) | 10 mg/Tag | Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 |
| Empfohlene Zufuhr Erwachsene | 7–16 mg/Tag je nach Phytatzufuhr | D-A-CH 2019 |
| Tolerierbare Gesamtzufuhr (UL) | 25 mg/Tag (Erwachsene), 22 mg (15–17 Jahre) | SCF 2003 |
| Höchstmengenvorschlag für Nahrungsergänzungsmittel | 6,5 mg je Tagesdosis | BfR 2021 |
Die letzte Zeile ist ein Vorschlag, keine geltende Grenze: Verbindliche Höchstmengen für Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln hat die EU-Kommission bis heute nicht erlassen, obwohl die Richtlinie sie vorsieht. Das BfR empfiehlt zusätzlich, dass Produkte mit mehr als 3,5 mg Zink je Tagesdosis darauf hinweisen, keine weiteren zinkhaltigen Präparate zu nehmen — begründet damit, dass die übliche Ernährung laut Nationaler Verzehrsstudie II je nach Alter und Geschlecht bereits median 8,6 bis 12,3 mg Zink pro Tag liefert.
Was unser Präparat enthält
Unser Zink 25 mg + Vitamin B3 setzt Zinkgluconat ein — jene Verbindung mit dem niedrigsten Elementanteil und der in der Isotopenstudie höchsten gemessenen Aufnahme:
| Pro Tablette (empfohlene Tagesdosis) | Menge | % NRV* |
|---|---|---|
| Zink (aus Zinkgluconat) | 25 mg | 250 % |
| Niacin (als Nicotinamid) | 25 mg | 156 % |
* Nährstoffbezugswerte gemäß Verordnung (EU) Nr. 1169/2011, Anhang XIII.
Die 25 mg entsprechen der tolerierbaren Gesamtzufuhr für Erwachsene und liegen deutlich über dem Höchstmengenvorschlag des BfR für Nahrungsergänzungsmittel; die Verzehrempfehlung lautet eine Tablette täglich nach einer Mahlzeit. Für die Rohstoffmenge heißt das: rund 175 mg Zinkgluconat je Tablette.
Zugelassen sind für Zink unter anderem diese Aussagen: Zink trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei. Zink trägt zu einer normalen kognitiven Funktion bei. Zink trägt zu einer normalen Fruchtbarkeit und einer normalen Reproduktion bei. Für Niacin gilt: Niacin trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel bei. und Niacin trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei. (Verordnung (EU) Nr. 432/2012). Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Was sonst noch im Sortiment steht, zeigt die Kategorie Zink.
Häufige Fragen
Welche Zinkform ist die beste? Zwischen den gut löslichen Verbindungen — Citrat, Gluconat, Sulfat, Acetat, Bisglycinat — gibt es keinen belegten Rangunterschied, der eine Kaufentscheidung trüge. Gemessen unterscheidet sich vor allem Oxid nach unten, und zwar mit großer Streuung zwischen einzelnen Personen. Die Zahl, die entscheidet, bleibt die Menge elementaren Zinks je Tagesdosis.
„Zinkgluconat 50 mg" — wie viel Zink ist das? Rund 7 mg. Bei einem Zinkanteil von etwa 14 Prozent liefert die Verbindung nur ein Siebtel ihres Gewichts als Element. Steht auf der Packung ausschließlich das Gewicht der Verbindung, fehlt die Angabe, die die Verordnung eigentlich verlangt.
Ist Zinkpicolinat in der EU erlaubt? Ja. Zinkpicolinat steht in Anhang II der Richtlinie 2002/46/EG und darf in Nahrungsergänzungsmitteln verwendet werden. Nicht erlaubt sind dagegen Formen, die dort fehlen — etwa Zinkorotat.
Warum steht in Multivitaminen so oft Zinkoxid? Weil es mit rund 80 Prozent den höchsten Zinkanteil hat und damit am wenigsten Platz in der Tablette braucht. Der Preis dafür ist die schlechtere und deutlich unterschiedlichere Aufnahme, die die Isotopenstudie gezeigt hat — besonders relevant, wenn ein Präparat ohnehin nüchtern genommen wird.
Quellen: Richtlinie 2002/46/EG, Artikel 4 und Anhänge I und II (konsolidierte Fassung vom 2. April 2015) · Verordnung über Nahrungsergänzungsmittel (NemV) § 4 · Verordnung (EU) Nr. 1169/2011, Anhang XIII · Verordnung (EU) Nr. 432/2012 · Wegmüller, Tay, Zeder, Brnić, Hurrell, „Zinc absorption by young adults from supplemental zinc citrate is comparable with that from zinc gluconate and higher than from zinc oxide", The Journal of Nutrition 2014;144(2):132–136 · Barrie, Wright, Pizzorno, Kutter, Barron, „Comparative absorption of zinc picolinate, zinc citrate and zinc gluconate in humans", Agents and Actions 1987;21(1–2):223–228 · BfR, „Höchstmengenvorschläge für Zink in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln", 2021 (mit SCF 2003, D-A-CH 2019, EFSA 2014 und Nationaler Verzehrsstudie II).