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Augen

Zink und Sehkraft: der zugelassene Satz und die Menge

Futures Nutrition Redaktion · 13. August 2026

Zink und Sehkraft: der zugelassene Satz und die Menge

Zink und Sehkraft: der zugelassene Satz und die Menge

Zink ist einer von vier Nährstoffen, die in der EU mit dem Erhalt der Sehkraft in Verbindung gebracht werden dürfen. Der zugelassene Satz lautet wörtlich: „Zink trägt zur Erhaltung normaler Sehkraft bei." Er gilt, sobald eine Tagesportion mindestens 1,5 mg Zink liefert — das ist weniger, als in den meisten Zinktabletten steckt. Wer 25 mg im Präparat sieht, hat deshalb keine „stärkere" Aussage vor sich, sondern dieselbe. Die Menge entscheidet nicht über den Satz; sie entscheidet darüber, wie nah man an die Obergrenzen kommt.

Nahaufnahme eines menschlichen Auges mit brauner Iris

Der Satz im Wortlaut

Maßgeblich ist die Verordnung (EU) Nr. 432/2012, die Liste der zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben. Dort steht Zink mit dreizehn Einträgen — einer davon betrifft das Sehen:

Zink trägt zur Erhaltung normaler Sehkraft bei.

Dieser Wortlaut ist die Fassung, die verwendet werden darf. Umformulierungen wie „für scharfes Sehen" oder „schützt die Augen" sind keine schwächeren Varianten desselben Satzes, sondern andere Angaben — und die sind nicht zugelassen. Als wissenschaftliche Grundlage nennt die Verordnung die EFSA-Bewertung im EFSA Journal 2009;7(9):1229, im Register geführt unter der Eintragsnummer 361.

Neben Zink tragen nur Vitamin A, Riboflavin (Vitamin B2) und die Omega-3-Fettsäure DHA einen Sehkraft-Satz. Welche das im Einzelnen sind und was der Verordnung dazu sonst noch fehlt, steht in Augen-Nährstoffe: was zugelassen ist und was nicht.

Warum Zink dieselbe Registernummer trägt wie der Vitamin-A-Stoffwechsel

Ein Detail in der Verordnung erklärt, wie der Satz zustande kam. Die Nummer 361 steht in der Tabelle zweimal: einmal bei der Sehkraft und einmal bei der Angabe „Zink trägt zu einem normalen Vitamin-A-Stoffwechsel bei". Beide Einträge verweisen auf dieselbe EFSA-Bewertung.

Das ist mehr als eine Formalie. Zink wirkt beim Sehen nicht als eigener „Augennährstoff", sondern über den Vitamin-A-Haushalt — dieselbe Achse, an der auch der Vitamin-A-Satz hängt. Wer beide Sätze auf einer Packung liest, liest daher keine zwei unabhängigen Belege, sondern zwei Formulierungen aus einem Dossier. Wie eng der Vitamin-A-Satz selbst gefasst ist, steht in Vitamin A und Sehkraft: der zugelassene Satz.

Die Bedingung: 1,5 mg je Tagesportion

An jeden zugelassenen Satz ist eine Verwendungsbedingung geknüpft. Für Zink lautet sie: Das Lebensmittel muss mindestens eine Zinkquelle sein. Was das heißt, steht im Anhang der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 — nämlich eine signifikante Menge im Sinne der Nährwertkennzeichnung, und das sind nach Anhang XIII der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 15 Prozent des Nährstoffbezugswerts. Der Bezugswert (NRV) für Zink liegt bei 10 mg.

15 Prozent von 10 mg sind 1,5 mg. Bei Nahrungsergänzungsmitteln bezieht sich diese Menge auf die auf dem Etikett angegebene tägliche Verzehrsmenge, nicht auf 100 Gramm Tabletten.

Daraus folgt die Beobachtung, die im Regal am meisten wert ist: Ein Präparat mit 2 mg Zink darf den Sehkraft-Satz führen. Ein Präparat mit 25 mg darf denselben Satz führen. Der Satz wird nicht länger, nicht stärker und nicht spezifischer, wenn die Zahl steigt.

Die Mengen im Überblick

BezugsgrößeMenge Zink pro TagHerkunft
Bedingung für die Sehkraft-Aussage1,5 mg15 % des NRV, VO (EU) Nr. 1169/2011 Anh. XIII
Nährstoffbezugswert (NRV) auf dem Etikett10 mgVO (EU) Nr. 1169/2011 Anh. XIII
Empfohlene Zufuhr Frauen7–10 mg, je nach PhytatzufuhrDGE, Ableitung 2019
Empfohlene Zufuhr Männer11–16 mg, je nach PhytatzufuhrDGE, Ableitung 2019
Referenzwert der EFSA (PRI), Erwachsene7,5–16,3 mg, je nach PhytatkategorieEFSA, 2014
Höchstmengenvorschlag für Nahrungsergänzungsmittel6,5 mgBfR, Höchstmengenvorschläge für Zink
Obergrenze (UL) für die Gesamtzufuhr, Erwachsene25 mgSCF, Stellungnahme vom 5. März 2002
Obergrenze (UL), Jugendliche 15–17 Jahre22 mgSCF, ebd.

Zwei Zeilen dieser Tabelle werden regelmäßig verwechselt. Der UL von 25 mg ist keine Portionsangabe, sondern die tolerierbare Gesamtzufuhr aus allem zusammen — Essen, angereicherte Produkte, Präparate. Der BfR-Vorschlag von 6,5 mg ist dagegen eine Menge je Tagesverzehrempfehlung eines Präparats; das Bundesinstitut leitet sie aus der Lücke zwischen der beobachteten Zufuhr von Menschen mit sehr geringer Zinkaufnahme (6,5 mg/Tag im 5. Perzentil der Nationalen Verzehrsstudie II) und der gemittelten EFSA-Empfehlung für Männer (13 mg/Tag) ab. Oberhalb von 3,5 mg Zinkzusatz empfiehlt das BfR zusätzlich den Hinweis, auf weitere zinkhaltige Präparate zu verzichten.

Was das Essen schon beisteuert

Die Zahl auf der Packung ist nie die Tagesmenge — sie kommt oben drauf. Die Nationale Verzehrsstudie II hat für Frauen zwischen 19 und 80 Jahren mediane Zinkzufuhren von 8,6 bis 9,5 mg pro Tag gemessen, für Männer 10,4 bis 12,3 mg. Im 95. Perzentil erreichen Männer je nach Altersgruppe 16,8 bis 22,9 mg — allein aus der Ernährung.

Frisch geöffnete Austern auf einem Teller mit Zitronenspalten

Wie viel davon tatsächlich ankommt, hängt am Phytat. Phytinsäure aus Vollkorngetreide und Hülsenfrüchten bindet Zink im Darm; deshalb gibt die DGE ihre Empfehlung seit 2019 gestaffelt an — 11 mg für Männer bei niedriger, 16 mg bei hoher Phytatzufuhr. Einweichen, Keimen und Sauerteigführung bauen Phytat ab und verbessern die Aufnahme, tierisches Eiweiß in derselben Mahlzeit ebenfalls. Wer sich überwiegend pflanzlich ernährt, liegt daher am oberen Ende der Empfehlung, nicht am unteren.

Warum in manchen Augenpräparaten 15 oder 25 mg stehen

Die hohen Zinkmengen in Augenformeln haben einen erkennbaren Ursprung: die Age-Related Eye Disease Study (AREDS), veröffentlicht 2001 in den Archives of Ophthalmology (119(10):1417–36). 3.640 Teilnehmende zwischen 55 und 80 Jahren erhielten über durchschnittlich 6,3 Jahre unter anderem 80 mg Zink als Zinkoxid, zusammen mit 2 mg Kupfer als Kupferoxid.

Dazu gehören drei Einordnungen. Erstens war das eine augenärztliche Studie an Menschen mit einer diagnostizierten Augenerkrankung — kein Anwendungsgebiet für ein Nahrungsergänzungsmittel, und was daraus folgt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt, nicht das Regal. Zweitens liegen 80 mg mehr als dreifach über dem UL von 25 mg. Drittens deckt keine der zugelassenen EU-Angaben diesen Studienzweck ab: Der Satz, den Zink trägt, spricht vom Erhalt normaler Sehkraft, nicht von einem Krankheitsverlauf.

Warum die Studie 2 mg Kupfer beigab, ist der interessante Teil — und führt direkt zur nächsten Frage.

Zink und Kupfer: der Grund für die Obergrenze

Der UL von 25 mg beruht nicht auf Beschwerden nach der Tablette, sondern auf dem Kupferhaushalt. Hohe Zinkzufuhren regen in den Darmschleimhautzellen die Bildung von Metallothionein an; dieses Protein bindet Kupfer so fest, dass weniger davon die Zelle in Richtung Blut verlässt (SCF, Stellungnahme vom 5. März 2002). Der Ausschuss setzte einen NOAEL von rund 50 mg pro Tag an — die höchste Menge, bei der sich in kontrollierten Studien keine ungünstigen Veränderungen der Kupferparameter zeigten — und teilte durch einen Unsicherheitsfaktor von 2. Daraus wurden die 25 mg.

Praktisch heißt das: Wer über längere Zeit hohe Zinkmengen nimmt, sollte die Kupferseite kennen. Was zum Verhältnis der beiden belegt ist, steht in Zink und Kupfer: warum das Verhältnis genannt wird; die Obergrenzen im Detail stehen in Zink: zu viel des Guten.

Was auf der Packung steht — und was davon zählt

Runde Tabletten auf grünem Untergrund

Drei Stellen auf dem Etikett beantworten die Frage nach der Menge:

  1. Die mg-Angabe für Zink. Sie meint das Element, nicht die Verbindung. „175 mg Zinkgluconat" sind rund 25 mg Zink — die Rechenwege dazu stehen in Zinkformen im Vergleich.
  2. Der Prozentsatz des Bezugswerts. Alles ab 15 Prozent erfüllt die Bedingung für die Sehkraft-Aussage. Diese Zahl ist bei Nahrungsergänzungsmitteln Pflicht.
  3. Die tägliche Verzehrsmenge. Steht die mg-Zahl für zwei Tabletten, halbiert sich alles, wenn man eine nimmt.

Im eigenen Sortiment liefert Zink + Vitamin B3 25 mg Zink aus Zinkgluconat je Tablette, das sind 250 Prozent des Bezugswerts. Die Bedingung für den Sehkraft-Satz ist damit weit übererfüllt; gleichzeitig entspricht die Tablette dem UL für die Gesamtzufuhr, zu dem die Ernährung noch hinzukommt, und liegt deutlich über dem, was das BfR je Tagesportion vorschlägt. Das ist keine Warnung, sondern die Zahl, die man kennen sollte, wenn man das Präparat dauerhaft einplant oder mit anderen zinkhaltigen Produkten kombiniert.

Zink + Vitamin B3, 180 Tabletten

Wer dagegen ein Augenpräparat sucht, sollte nachsehen, ob überhaupt Zink darin ist: Unser Vitamin A + E + Lutein führt 400 µg Vitamin A, 20 mg Vitamin E und 10 mg Lutein — der Sehkraft-Satz dieser Packung hängt am Vitamin A, nicht am Zink. Was sonst zum Thema im Sortiment steht, zeigt die Kategorie Augen.

Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise.

Häufige Fragen

Macht mehr Zink die Sehkraft-Aussage stärker? Nein. Die Bedingung ist eine Schwelle, kein Maßstab: Ab 1,5 mg je Tagesportion darf der Satz stehen, darunter nicht. Ein Präparat mit 25 mg trägt exakt denselben Wortlaut wie eines mit 2 mg.

Reicht Zink allein, oder braucht es Vitamin A dazu? Beide tragen einen eigenen zugelassenen Satz, und beide gelten unabhängig voneinander. Da Zink im Sehvorgang über den Vitamin-A-Stoffwechsel wirkt, stehen sie in Kombipräparaten oft nebeneinander — daraus folgt aber keine gemeinsame Aussage, die man verwenden dürfte.

Wie viel Zink darf ich zusätzlich nehmen, wenn ich mich schon zinkreich ernähre? Der UL von 25 mg gilt für die Summe aus allen Quellen. Bei einer medianen Zufuhr von rund 9 mg (Frauen) bzw. 11 mg (Männern) aus der Ernährung bleibt rechnerisch ein zweistelliger Spielraum; wer im oberen Bereich der Verzehrsstudie liegt, hat ihn nicht. Das BfR empfiehlt für Präparate 6,5 mg je Tagesportion und ab 3,5 mg einen Hinweis, keine weiteren zinkhaltigen Präparate zu nehmen.

Hilft Zink gegen müde Augen nach dem Bildschirmtag? Dazu gibt es keine zugelassene Angabe, und die Datenlage trägt sie auch nicht. Was zu Bildschirmarbeit sachlich belegt ist, steht in Augen und Bildschirmarbeit.